Mission Titelverteidigung: Der neue Porsche 919 Hybrid

Porsche 919 Hybrid 2016 © Porsche

Porsche hat den überarbeiteten Porsche 919 Hybrid für das Jahr 2016 heute erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Um 07:00 Uhr ging der Countdown auf der Website zu Ende und erste Bilder sowie technische Daten waren zu sehen. Die Vorstellung des realen Wagen erfolgt morgen auf dem Circuit Paul Ricard, auf dem am Freitag und Samstag auch der WEC-Prolog stattfindet. Der Antrieb des überarbeiteten LMP1-Prototypen ist effizienter, die Aerodynamik besser auf die verschiedenen Strecken abgestimmt und  es gab bei vielen Teilen eine Reduzierung des Gewichts. Das Design ist von nun an ein Mix aus den Farben weiß, schwarz und rot und der Schriftzug „Porsche Intelligent Performance“ bleibt erhalten. Als WEC-Titelträger des Jahres 2015 trägt man die Startnummern #1 und #2. Wie bereits gestern beim Audi R18, werden nun die Hauptbereiche des Porsche 919 Hybrid näher dargestellt.

Aerodynamik

Um die Kosten nicht explodieren zu lassen, verständigten sich die Verantwortlichen der WEC und die drei Hersteller Audi, Porsche und Toyota auf maximal drei verschiedene Aerodynamikpakete in der gesamten Saison. Im Vorjahr gab es keine Limitierung und so trat man bei fast jedem Rennen mit einem neuen Paket an, was die Kosten in Höhe trieb. Im letzten Jahr trat man in Silverstone mit geringeren Abtrieb an, als nötig gewesen wäre, da man aerodynamisch den Fokus auf Le Mans legte und so Kompromisse eingehen musste. In diesem Jahr startet man am 17. April mit einem Aero-Paket mit hohen Abtrieb in die Saison. In Le Mans eine Version mit sehr geringem Abtrieb, da die langen Geraden sehr geringen Luftwiderstand verlangen. Ab dem Nürburgring am 24. Juli verwendet man ein weiterentwickeltes High-Downforce-Paket. Ziel der Veränderungen war die Einflüsse wie Seitenwind, Balancewechsel in den Kurven, Gierwinkel- und Rollwinkelabhänigkeiten zu reduzieren.

Fahrzeug & Sicherheit

Das Monocoque besteht aus Carbonfaser in Sandwichbauweise und ist aus einem Stück gebaut. Monocoque, Verbrennungsmotor und Getriebe bilden eine optimal versteifte Einheit. Der Motor hat im Wagen eine tragende Funktion und das sequenziell geschaltete und hydraulisch betätigte Siebengang-Renngetriebe aus Aluminium sitzt in einem eigenen Carbongehäuse. Getriebe und Getriebträger blieben strukturell identisch, der Fokus der Weiterentwicklung für die Schaltzentrale lag auf der Gewichtsreduzierung. Das Fahrzeug erhielt eine neue Vorderachse und eine optimierte Hinterachse, um die Fahrdynamik und Fahrbarkeit zu verbessern. Im Bereich der Reifen von Michelin ist für 2016 eine Leistungssteigerung zu erwarten.

Hybrid

Porsche tritt, wie schon 2015, in der 8-Megajoule-Klasse an und setzt weiterhin auf selbstentwickelte Lithium-Ionen-Batterien. Auch beim Thema Energierückgewinnungssysteme bleibt man dem Konzept treu und gewinnt sowohl an der Vorderachse, als auch aus dem Abgasstrom, Energie. An der Vorderachse wird beim Bremsen kinetische Energie in elektrische umgewandelt. Der Abgasstrom treibt eine zweite Turbine an, die die überschüssige Energie aus dem Abgasdruck nutzt, die normalerweise ungenutzt aus dem Auspuff entweicht. Die hier angewandte VTG-Technik, also die variable Anpassung der Turbinengeometrie an die Höhe des Abgasdrucks, erlaubt es, auch bei geringen Motordrehzahlen und entsprechend geringem Druck die Turbinenschaufeln anzutreiben. Die Zusatzturbine ist direkt an einen elektrischen Generator gekoppelt. Der so erzeugte Strom wird ebenso wie jener vom Vorderachs-KERS in Lithium-Ionen-Batteriezellen zwischengespeichert. Wenn der Fahrer den vollen Boost abruft, presst ihn eine Zusatzkraft in der Größenordnung von über 400 PS in den Sitz. Diese Leistung treibt über einen Elektromotor die Vorderachse an und verwandelt den Porsche 919 Hybrid in einen temporären Allradler mit einer Systemleistung von dann ca. 900 PS. An welchen Stellen auf der Rennstrecke der Fahrer die Energie abruft, wird vor dem Rennen festgelegt.

Motor

Die Verbrennungseffizienz und Gemischaufbereitung des Zweiliter-Vierzylinder-Turbo-Benziners, der die Hinterachse antreibt, konnte in enger Zusammenarbeit mit den Serien-Ingenieuren in Weissach noch einmal gesteigert werden. Außerdem konnte das  Gewicht des V-Motors mit 90 Grad Bankwinkel erneut reduziert werden. Im Vorjahr betrug die Leistung des Verbrennungsmotors klar über 500 PS. Für 2016 erlaubt das Reglement jedoch nur noch eine geringere Energiemenge aus Kraftstoff pro Runde und reduziert die maximale Kraftstoff-Durchflussmenge. So verhindert das Regelwerk, dass die LMP1 endlos schneller werden. Im Fall des 919 bedeutet dies rund acht Prozent weniger Benzin und Leistung. Anders ausgedrückt: ein Defizit von zehn Megajoule Energie pro Runde in Le Mans aus dem Kraftstoff. Das kostet etwa vier Sekunden auf der 13,629 Kilometer langen Runde. Durch die neuen Beschränkungen sank die Leistung des Verbrennungsmotors auf unter 500 PS.

Technische Daten

Monocoque: Verbundfaser-Konstruktion aus Carbonfasern mit AluminiumWabenkern. Das Monocoque ist auf Basis des LMP-Reglements 2015 entwickelt und nach den 2015 FIA-Crash- und Sicherheitsstandards getestet. Das Cockpit ist geschlossen.
Verbrennungsmotor: V-Vierzylindermotor (90 Grad Bankwinkel) mit Turboaufladung, vier Ventile pro Zylinder, DOHC, ein Garrett-Turbolader, Benzin-Direkteinspritzung, Aluminium-Zylinder-Kurbelgehäuse voll tragend, Trockensumpfschmierung. Höchstdrehzahl: ca. 9.000 U/min
Motormanagement: Bosch MS5
Hubraum: 2.000 ccm (V4-Motor)
Leistung: Verbrennungsmotor: < 500 PS Hinterachse, MGU: > 400 PS Vorderachse
Hybrid-System: KERS mit Motor-Generator-Einheit (MGU) an der Vorderachse, ERS zur Rückgewinnung von Abgasenergie. Speicherung in flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batteriepacks (mit Zellen von A123 Systems)
Antrieb: Heckantrieb, Traktionskontrolle (ASR), temporärer Allradantrieb per Boost über E-Maschine an der Vorderachse, sequenzielles, hydraulisch betätigtes Siebengang-Renngetriebe
Fahrwerk: Vorne und hinten Einzelrad-Aufhängung, Pushrod-System mit einstellbaren Stoßdämpfern
Bremsanlage: Hydraulische Zweikreis-Bremsanlage, Monoblock-Leichtmetall-Bremssättel, belüftete Kohlefaserbremsscheiben vorne und hinten, Bremskraft-Verteilung vom Fahrer stufenlos einstellbar
Räder und Reifen: Magnesium-Schmiedefelgen von BBS; Michelin Radialreifen, vorne und hinten: 310/710-18

Mindestgewicht: 875 kg
Länge: 4.650 mm
Breite: 1.900 mm
Höhe: 1.050 mm
Tankinhalt: 62,5 l

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