Toyota stellt neuen TS050 – Hybrid vor

Toyota TS050 Hybrid (2016) © Toyota Motorsport GmbH

Als letztes Werksteam hat TOYOTA GAZOO Racing seinen LMP1-Prototypen für die WEC-Saison 2016 vorgestellt. Nachdem im letzten Jahr einige Sekunden auf die Porsche und Audi fehlten und dieser Punkt eine Titelverteidigung so gut wie unmöglich machte, wollen die Japaner mit dem komplett neu entwickelten Toyota TS050 – Hybrid wieder ganz vorne mitmischen. Damit dieser Schritt klappt und das Fahrzeug optimal auf die neue Saison vorbereitet ist,, fuhr man insgesamt 22.000 Testkilometer. Für Toyota ist es bereits der dritte Prototyp, den man seit 2012 in der FIA WEC einsetzt (2012 und 2013: Toyota TS030 – Hybrid, 2014 und 2015: TS040 – Hybrid).

Die größte Neuerung ist der Antriebsstrang mit einem völlig neuem Konzept. Nachdem man in den letzten vier Jahren mit einem V8-Saugmotor unterwegs war, wechselt man von nun an auf einen 2,4-Liter-V6-Biturbomotor mit Benzin-Direkteinspritzung. In der Hybridklasse macht man weiteren Schritt und fährt fortan in der 8-Megajoule-Klasse. Beide Antriebe wurden in der Motorsport-Einheit der Entwicklungsabteilung des Higashi-Fuji Technikzentrums entwickelt. Für Toyota ist ein Turbomotor besser geeignet, da dieser mehr Möglichkeiten für einen Technologie- und Erfahrungstransfer vom Rennwagen zu Straßenfahrzeugem bietet. Des Weiteren ist diese Art für das Reglement besser geeignet, da die Durchflussmengen von Treibstoffen reglementiert ist. Auch beim Hybridsystem vollzog man einen Wechsel – statt Superdkondensatoren nutzt man nun, wie Porsche und Audi, Lithium-Ionen-Batterien. Mit einem neuen Konzept beim Antriebsstrang sind in den Bereichen Kühlung und Komponentenanordnung neue Anforderungen zu meistern, so auch beim Getriebe, das für die deutlich höheren Drehmomentspitzen des Turbomotors ausgelegt werden musste. Da auch die Aerodynamik einem neuen Konzept unterliegt, wurde beim TS050 Hybrid-Chassis so ziemlich jedes Bauteil bei der Toyota Motorsport GmbH in Köln neu entwickelt. Der Bereich Antriebsstrang spielte sogar bei der verbesserten Aerodynamik des TS050 Hybrid eine Rolle. Durch Verlagerung der vorderen Elektromotor/-generator-Einheit konnte eine bessere Anströmung des Fahrzeug-Unterbodens erzielt werden, was zu einer Verbesserung des Fahrverhaltens beiträgt. Die Aufhängungs-Kinematik wurde im Hinblick auf eine weitere Verringerung des Reifenverschleißes weiter überarbeitet.

Stimmen von TOYOTA GAZOO Racing

Anthony Davidson (TS050 HYBRID #5): „Ich freue mich auf den Saisonauftakt mit dem TS050 HYBRID, das ist immer ein spannender Moment des Jahres. Letztes Jahr war natürlich enttäuschend, doch diese Saison werden wir wieder stärker sein, hoffentlich wie 2014, als wir wirklich konkurrenzfähig waren. Einfach wird es nicht, denn die Konkurrenz ist unverändert stark, aber wir machen Druck, arbeiten an Zuverlässigkeit und Leistungsentfaltung. Wir sind alle sehr fokussiert und jeder trägt seinen Teil dazu bei so schnell wie möglich Fortschritte zu machen, wie man an diesem völlig neuen Auto sieht. Ich bin von dem TS050 HYBRID sehr beeindruckt. Ich mag auch den so ganz anderen Motorensound des Turbos und das 8MJ-System ist ein riesiger Schritt vorwärts. Darin sind sich alle Fahrer einig und uns ist jetzt klar, was uns im Vorjahr fehlte. Ich kann es kaum erwarten dies im Rennbetrieb zu erleben.”

Sébastien Buemi (TS050 HYBRID #5): „Ich gehe hochmotiviert in die neue Saison. Wir haben sehr hart gearbeitet und ich bin mir sicher, dies wird sich in den Rundenzeiten zeigen. Das neue Auto ist definitiv ein gewaltiger Fortschritt. Unser Chassis war schon immer recht konkurrenzfähig und wir versuchten es noch weiter zu verbessern und entwickelten in allen Bereichen weiter. Natürlich haben wir eine Menge Aufwand rund um den Motor und das neue Hybridsystem betrieben und wir können bereits von positiven Ergebnissen berichten. Großen Dank an alle in Higashi-Fuji und in Köln für die harte Arbeit, es wird aber weiter großen Aufwand bedürfen, da wir in allen Bereichen weiter optimieren müssen. Vorhersagen kann ich keine treffen, zumindest bis wir unter Wettbewerbsbedingungen in Silverstone auf die Konkurrenz stoßen. Doch mein Saisonziel ist jetzt schon klar: Ich will wieder aufs Siegerpodest, und zwar aufs oberste Treppchen.”

Kazuki Nakajima (TS050 HYBRID #5): „Ich sehne mich schon seit früh in der vergangenen Saison nach dem neuen Auto und diesem Saisonstart, also ist es großartig, dass die Saison allmählich beginnt. Im Vorjahr hatten wir es schwer, aber das motivierte uns umso mehr wieder erstarkt anzutreten. Die Vorstellung dieses neuen Autos samt dem komplett neuen Antriebsstrang ist der Beweis dafür, wie ernst man unseren Siegeswillen nehmen muss. Der TS050 HYBRID ist definitiv ein erheblicher Fortschritt, vor allem dank neuem Motoren- und Hybridsystem. Wie kraftvoll sich 8MJ anfühlen ist schon eindrucksvoll, vor allem wie lange die Leistungsabgabe anhält, ist cool. Unsere Motivation und unser Teamgeist sind daher in einem echten Hoch. Alle haben hart darauf hingearbeitet, dass wir zum ersten Rennen der Saison bereit sind. Ich bin bereit und will wieder einige Rennen gewinnen und generell konkurrenzfähig sein, das ist das Ziel.”

Stéphane Sarrazin (TS050 HYBRID #6): „Ich bin schon ganz aufgekratzt, dass die Saison bald beginnen wird. Wir testen viel und das ganze Team arbeitet wirklich hart daran sicherzustellen, dass wir auch die nötige Zuverlässigkeit haben werden und die Feinabstimmung des Autos für die Saison abgeschlossen ist. Der Prolog wird uns einen ersten Eindruck verleihen, was Audi und Porsche so über den Winter gemacht haben, also dürfte das interessant werden. Ich erwarte natürlich, dass wir wieder vorn mit dabei sind und schon in Silverstone eine gute Leistung zeigen können. Meine ersten Eindrücke vom TS050 HYBRID sind sehr positiv. Definitiv ein großer Fortschritt und wir konnten praktisch in jedem Bereich eine Verbesserung erzielen, vor allem beim Antriebsstrang. Die Batterie ist sehr eindrucksvoll mit dem 8MJ-Boost, ein sehr wichtiger Punkt für uns. Die derzeitige Phase ist wegen der Vorbereitung auf die Saison sehr geschäftig, aber wir sind bereits an einem guten Ausgangspunkt angelangt.”

Mike Conway (TS050 HYBRID #6): „Ich habe natürlich große Erwartungen was die bevorstehende Saison angeht. Es ist schön Kamui in unserem Auto zu wissen, wir haben bereits gemeinsam getestet und er ist definitiv ein schneller Mann, also sind wir bereit anzugreifen. Als Team haben wir über den Winter große Fortschritte gemacht und der neue TS050 HYBRID ist richtig cool. Mit dem Wechsel in die 8MJ-Klasse haben wir einen großen Schritt vorwärts gemacht und die neue Batterie ist eindrucksvoll. Das gesamte Team hat einen massiven Aufwand betrieben, um jeden Aspekt des Autos zu verändern, was keine einfache Aufgabe ist. Aber wir sind alle enorm motiviert wieder an der Spitze zu fahren. Momentan ist es schwer zu sagen, wo wir im Vergleich zu den anderen Herstellern stehen, aber wir haben definitiv große Fortschritte gemacht.”

Kamui Kobayashi (TS050 HYBRID #6): „Ich mag das neue Auto, es ist definitiv eine große Verbesserung, was mich für die Saison sehr zuversichtlich stimmt. Mir persönlich gefällt der neue Antriebsstrang mit Turbomotor und 8MJ-Hybridsystem, das ist ein großartig zu fahrendes Auto! Natürlich ist ein Auto mit so vielen Neuentwicklungen eine Herausforderung und wir müssen noch viel an der Leistungsentfaltung und der Zuverlässigkeit arbeiten. Diese Saison wird eine neu Erfahrung für mich werden. Ich bin zwar schon in der WEC gefahren, aber das war nur in der GT-Klasse. LMP1-Autos sind eine ganz andere Angelegenheit und es gibt eine Menge Neues zu lernen. Ich freue mich mit Stéphane und Mike im Auto Nummer 6 anzutreten, da beide sehr gute Fahrer sind und viel Erfahrung haben. Mein Ziel für diese Saison ist es eine starke Leistung zu zeigen und natürlich auch Rennen zu gewinnen. Ich kann es kaum erwarten, bis es in Silverstone los geht.”

Toshio Sato, Teampräsident: „Eine vielversprechende Saison erwartet TOYOTA GAZOO Racing, insbesondere weil wir mit einem komplett neuen Auto und einem neuen Antriebskonzept antreten. Dies reflektiert den Trend bei Straßenfahrzeugen und verleiht uns mehr Möglichkeiten Know-How und Technologien in die Serienfertigung von TOYOTA-Straßenfahrzeugen zu transferieren. Unsere Aktivitäten in der WEC werden durch die Entwicklung von Technologien, aber auch der involvierten Menschen motiviert. Das Ergebnis sehen wir bereits bei den gegenwärtigen Straßenfahrzeugen. Neben dem Bestreben TOYOTA bei der Herstellung immer hochwertigerer Autos zu helfen, ist da noch der Wille zu siegen. Unser klar definiertes Ziel für diese Saison lautet nach der Enttäuschung 2015 wieder an der Spitze zu kämpfen. In Higashi-Fuji und in Köln wurde die Saison mit enormem Aufwand vorbereitet. Alle sind hochmotiviert und arbeiten darauf hin, dass wir bald wieder auf dem obersten Treppchen des Siegerpodestes stehen werden.”

Hisatake Murata, Geschäftsführer der Motorsportabteilung bei Toyota: „Das Reglement für diese Saison sieht eine weiter reduzierte Treibstoff-Durchflussmenge und eine Gesamtreduktion des Spritverbrauchs um 7,5% vor. Uns Motorsport-Ingenieuren ist es ein stetiges Bestreben mehr Leistung aus dem Antriebsstrang zu holen, also war es wichtig diese Reduktion mit einem effizienteren Antriebsstrang zu kompensieren. Wir glauben, dass ein V6-Biturbomotor mit Direkteinspritzung beim gegenwärtigen Stand des Reglements die beste Balance zwischen Leistungsausbeute und Effizienz ermöglicht. Dies und unser Wechsel in die 8MJ-Klasse lassen uns deutlich höhere Drehmomentwerte im Vergleich zum vorherigen Antriebsstrang erzielen, was eine der Zielsetzungen für das neue Auto war. Der neue Antriebsstrang bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich, etwa in Sachen Gewicht und im Bereich Kühlung, doch die Teams in Higashi-Fuji und Köln haben viel Arbeit in die jeweiligen Lösungen investiert und ich bin zuversichtlich, dass wir die Herausforderungen gemeistert haben. Wir treten gegen starke Konkurrenz an, wie das Vorjahr zeigte, doch wir sind bereit und ich kann Silverstone kaum erwarten.”

Pascal Vasselon, Technischer Direktor: „Bis auf einige prinzipielle Eigenschaften hier und da, die wir beibehielten, um so von der Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre zu profitieren, wurde jedes einzelne Bauteil geändert. In zahlreichen Bereichen, etwa bei Antriebsstrang und Aerodynamik, gab es auch konzeptionelle Neuerungen. Es gibt große Unterschiede zum bisherigen aerodynamischen Konzept, vor allem die Stirnfläche des Autos weist drastische Veränderungen auf. Wir haben Tausende von Arbeitsstunden in die Verfeinerung des neuen Konzeptes investiert und sind beim Umgang mit der Luftströmung von den vorderen Bauteilen aus, die vor allem Abtrieb erzeugen sollen, völlig neue Wege gegangen. Es gab in der WEC einen erheblichen Zuwachs im Entwicklungstempo und wir können es uns nicht mehr erlauben mit einem Auto anzutreten, das nicht in allen Bereichen vollends optimiert wurde. Der TS050 HYBRID wurde auf dieser Grundlage entwickelt. Wir wollen vor allem konkurrenzfähig sein. Das ist die Mindestvoraussetzung, die wir uns selbst auferlegt haben – wieder vorn mitzuspielen, wieder siegfähig zu sein.”

Rob Leupen, Teamdirektor: „Das Team hat extrem hart gearbeitet, um den TS050 HYBRID, der ein Resultat einer engen und produktiven Zusammenarbeit ist, auf die Räder zu stellen. Unsere innovative Motorsport-Technologie sowie die Forschungs- und Entwicklungs-Möglichkeiten in Köln trugen zu immer besseren Straßenfahrzeugen bei, da die Ingenieuren der Serienfertigung diese Technologien nutzen können. Wir sind hier bei TMG hocherfreut eine immer größere Zahl an Kollegen aus Japan willkommen heißen zu können, die den Motorsport als Prüfstand für neue Technologien erleben. Wir verbessern dabei ständig die Teamarbeit, was ein sehr positiver Prozess ist, denn so wird Fachwissen zwischen Köln und Higashi-Fuji beiderseits ausgetauscht, was uns wiederum bei der Umsetzung unserer Ziele in der WEC hilft. Wir haben auf ein schwieriges Jahr 2015 reagiert, indem wir unser Team verstärkten, man sieht nun mehr jüngere Gesichter, sogar beim Fahrerkader. Das Team hat bei den Testfahrten schon sehr hart gearbeitet, wir haben noch einiges zu erledigen, doch wir erwarten in dieser Saison konkurrenzfähig zu sein.”

Technische Daten

Typ: LMP1-H (Le Mans Prototyp – Hybrid)
Karosserie: Karbonfaser-Komposit
Windschutzscheibe: Polykarbonat
Antriebsstrang: TOYOTA HYBRID System – Racing (THS-R)
Motor: V6-Direkteinspritzer-Biturbo
Hubraum: 2,4 Liter
Ventile: 4
Motorleistung: 368 kw / 500 PS
Hybridleistung: 368 kw / 500 PS (Front- und Heckantrieb kombiniert)
Gesamtlesitung: 735 kw / 1000 PS
Batterie: Hochleistungs Lithium-Ionen-Batterie
Front-Hybridmotor: AISIN AW
Heck-Hybridmotor: DENSO
Umwandler: DENSO
Getriebe: 7 Gänge, sequenziell, quer eingebaut
Getriebegehäuse: Aluminium
Antriebswellen: CV-Wellen (konstante Geschwindigkeit) mit Tripoden-Verschiebegelenken
Kupplung: ZF-Mehrscheibenkupplung
Differential: Differential mit mechanischer Sperre
Aufhängung: Einzelradaufhängungen mit Schubstreben-System
Federung: Torsionsstäbe
Stabilisatoren: Front- und Heck-Stabis
Lenkung: Hydrauliklenkung
Bremszangen: Akebono Aluguß-Monoblock
Bremsscheiben: vorn und hinten innenbelüftet und aus Karbonfaser
Felgen: RAYS Alugußfelgen, 13×18 Zoll
Reifen: Michelin Radialreifen
Größe vorn: 31/71-18
Größe hinten: 31/71-18
Länge: 4.650 mm
Breite: 1.900 mm
Höhe: 1.050 mm
Tankvolumen: 62, 5 Liter
Treibstoff: Benzin

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