WEC, Nachwuchsfahrer & Le Mans: Alexander Wurz im Interview

Alexander Wurz, 24 Stunden von Le Mans 2015 © Toyota Motorsport GmbH

Bei meinem Besuch bei der Toyota Motorsport GmbH (TMG) in Köln, hatte ich auch die Möglichkeit ein spontanes Interview mit dem ehemaligen Toyota-Werksfahrer Alexander Wurz zu führen. Der zweimalige Le-Mans-Sieger aus Österreich beendete sein LMP1-Engagement beim letztjährigen Saisonfinale in Bahrain und ist mittlerweile als Berater und Botschafter für die Japaner tätig. Den Bericht zum Besuch, gibt es hier.

Betrachten wir die noch junge Geschichte der FIA WEC, die in diesem Jahr in die fünfte Saison geht. Wie lautet dein bisheriges Fazit? Wie müssen die nächsten fünf Jahre aussehen, damit die Serie noch mehr Aufmerksamkeit bekommt und entsprechend wachsen kann?

„Die WEC hat sich bei den wirklichen Hardcore-Fans, die die Technologie und die Herausforderungen der Langstrecke fasziniert, total etabliert. Das Wachstum der Serie muss jetzt auch in neue Medien gehen, denn das Produkt mit der fortschrittlichen Technik ist authentisch und sehr zeitgemäß. Dazu ist es eine gute Mischung aus Tradition, neuen Komponenten, Coolheit, Geschwindigkeit und Spannung, die durch die Überholvorgänge, den Verkehr und die verschiedenen Klassen, immer da ist. Wir haben jetzt 5 Jahre die „WEC-Marke“ gebildet, die sich im Motorsport gut verankert hat. Die nächsten 5 Jahre müssen dort hingehen, dass neue und Ad-hoc Motorsport-Fans dazugewonnen werden. Im Vergleich zur Formel 1, DTM, IndyCar oder Nascar ist es eine schwere Aufgabe, aber es ist mit Sicherheit möglich. Die Serie ist immer spannend, auch wenn ein 6-Stunden-Rennen vielleicht kein zeitgemäßes Format ist.“

Wenn man junge Nachwuchsfahrer nach Ihrem Ziel und ihrer späteren Wunschserie fragt, hört man in den meisten Fällen die Formel 1 als Antwort. Die FIA WEC ist in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Konkurrenzserie geworden und bietet dazu wesentlich mehr potenzielle Fahrerplätze. Was würdest du einem jungen talentierten Fahrer raten?

„Ich habe einige junge Piloten die mich um Tipps fragen. Die „Geschäftssituation“ sieht in der WEC wie folgt aus: Alle drei Werksteams haben keinen einzigen Fahrer der Geld oder Sponsoren mitbringt. Alle Werksfahrer sind Vollprofis, die bezahlt werden um ihre Leistung zu bringen – das ist im Motorsport fast einzigartig. Jungen Fahrern die überhaupt kein Geld und Sponsoren im Hintergrund haben, vielleicht aus kleineren Ländern kommen in denen es weniger Media und Marketing gibt und dazu in den kleineren Rennserien nicht alles dominieren, rate ich sofort in die DTM oder FIA WEC zu gehen. Speziell in die FIA WEC, weil es dort, neben der Formel 1, die schnellsten Rennwagen gibt. Dazu ist es sehr prestigeträchtig, wenn man Le Mans gewinnt. Dennoch muss sich die Formel 1 nicht verstecken, denn die Serie ist die bekannteste und höchste Motorsportserie die wir haben. Wir haben dort jedoch eine Kultur, in der sehr talentierte Fahrer aus Entwicklungsländern viel Geld mitbringen – und das ist der große Unterschied zwischen der Formel 1 und der FIA WEC.“

Das letzte WEC-Rennen von Alexander Wurz – 6 Stunden von Bahrain 2015 © Toyota Motorsport GmbH

Toyota und Audi haben in diesem Jahr komplett neuentwickelte LMP1-Prototypen, Porsche hat seinen Porsche 919 Hybrid weiterentwickelt. In den letzten beiden 6-Stunden-Rennen hatte alle Werksteams Probleme und das private LMP1-Team Rebellion Racing nutzte diese Patzer. Können die Privatteams Rebellion Racing oder das ByKolles Racing Team in Le Mans noch größere Erfolge als bei den beiden WEC-Läufen in Silverstone und Spa-Francorchamps feiern?

„Ich hoffe zunächst einmal, dass speziell unsere beiden Autos halten. Die Tatsache, dass wir bei bisher allen Werksteams technische Defekte hatten, ist eine Konsequenz aus der rigorosen Weiterentwicklung. Wir sind in diesem Jahr wieder um einiges schneller geworden, obwohl wir 10% weniger Sprit haben. Das geht nur, wenn man die Technologie extrem vorantreibt und auslotet. Eine Folge davon sind jedoch die kleineren technischen Probleme, die wir gesehen haben. Ich würde mich jedoch nicht wundern, wenn das Rennen in Le Mans grundsätzlich besser verläuft als die beiden ersten 6-Stunden-Rennen. Dennoch steckt man nicht drin und es kann natürlich sein, dass ein Nicht-Hybrid-Fahrzeug auf das Podest kommt, da die Technologie wesentlich einfacher und ausgereifter ist. Der Gesamtsieg wird meiner Meinung nach allerdings an ein Werksteam gehen.“

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