Porsche siegt in Le Mans, Toyota wird Sieger der Herzen

Porsche 919 Hybrid #2, 24 Stunden von Le Mans 2016 © Porsche

Unglaubliche Szenen spielten sich nur rund sechs Minuten vor der Zieleinfahrt der 84. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans ab. Szenen, an denen Toyota noch lange zu knabbern hat und an die sich alle Motorsportfans für immer erinnern werden können. Toyota war dem ersten Sieg in Le Mans und dem zweiten Sieg für einen japanischen Automobilhersteller so nah wie noch nie und wurde dennoch nur Sieger der Herzen.

Der viele Stunden klar dominierende Toyota TS050 – Hybrid (#5) von Kazuki Nakajima, Anthony Davidson und Sebastien Buemi konnte nach dem letzten Tankstopp den Vorsprung von 30 Sekunden auf 1:20 Minuten gegenüber dem auf der zweiten Position liegenden Porsche 919 Hybrid (#2) von Marc Lieb, Neel Jani und Roman Dumas vergrößern, da der Porsche aufgrund eines schleichenden Plattfußes noch die Reifen wechseln musste. Es wären nur wenige Runden gewesen, die Nakajima noch hätte absolvieren müssen, als der verhängnisvolle Funkspruch „NO POWER!“ im Fernsehen zu hören war, der Wagen immer langsamer wurde und die ersten Tränen in der Toyota-Box flossen. Ausgerechnet auf der Start-Ziel-Geraden blieb der Wagen endgültig stehen und der zweitplatzierte Porsche ging an dem LMP1-Prototypen vorbei in Führung. Nakajima gelang es den Wagen zwar noch einmal zu starten, doch der Prototyp setzte die Fahrt nur im langsamen Tempo fort. Ohne einen Gegner im Nacken konnte Neel Jani nun den Porsche 919 Hybrid um die Strecke bewegen und fuhr den 18. Gesamtsieg für Porsche an der Sarthe ein. Für den Schweizer Jani und den Deutschen Marc Lieb war es der erste Gesamtsieg, für den Franzosen Roman Dumas bereits der zweite Triumph (Audi, 2010). Zu dieser unglaublichen Geschichte kommt noch hinzu, dass der Toyota nicht gewertet wird, da der Wagen die letzte Runde in sechs Minuten hätte absolvieren müssen, jedoch rund zwölf Minuten benötigte. Profiteur war in dem Fall der Audi (#8) von Loic Duval, Lucas Di Grassi und Oliver Jarvis, der vom vierten auf den dritten Platz aufrückte. Zweiter wurde der Toyota (#6) von Stephane Sarrazin, Mike Conway und Kamui Kobayashi, die den Doppelsieg von Toyota hätten perfekt machen sollen. Durch eine Kollision verlor der Wagen des Trios in der Nacht den Unterboden, der nur mit viel Klebeband fixiert werden konnte. Probleme mit der Aerodynamik waren die Folge des Vorfalls. An diesem Tag bewahrheiten sich traurigerweise Sprüche wie „Le Mans gewinnst du nicht, Le Mans lässt dich gewinnen“ oder „To finish first you have to finish first“.

Das Rennen wurde aufgrund heftiger Regenfälle hinter dem Safety Car gestartet, was ein Novum in der Geschicht der 24 Stunden von Le Mans war. Obwohl die Strecke schon nach drei Runden befahrbar gewesen war, fuhr das Safety Car erst nach sechs Runden bzw. 50 Minuten in die Box, was bei Teams, Fahrern und Fans für Unverständnis sorgte.

Nach einem guten Start von Audi, die als erstes auf Slickreifen wechselten und dadurch das Feld anführten, zeigte sich jedoch früh, dass der Kampf um den Sieg zwischen dem einen Porsche (#2) und den zwei Toyota (#5/#6) ausgetragen wird. Das Audi-Lager hatte mit vielen technischen Gebrechen zu kämpfen, die über nicht funktionierende Startnummernbeleuchtung an beiden Fahrzeugen, einem schleichenden Plattfuß und Bremswechsel bei der Nummer #8, bis hin zu dem Wechsel des Turboladers reichten, die ebenfalls beide LMP1-Prototypen betrafen. Der Weltmeister-Porsche von Brendon Hartley, Timo Bernhard und Mark Webber wies ebenfalls erhebliche technische Probleme auf. Zunächst handelte sich das Trio 19 Runden Rückstand durch einen Wechsel der Wasserpumpe ein, ging dann wieder auf die Strecke und musste sich mit erneuten Problemen nur mit der Hybrid-Power an die Box schleichen, in der man erneut rund 80 Minuten stand. Mit 38 Runden Rückstand wird das Trio in der LMP1-Wertung Fünfter. Der Audi R18 von den dreimaligen Le-Mans-Siegern André Lotterer, Marcel Fässler und Benoit Tréluyer wird Vierter. Der Schlüssel zum Erfolg wäre seitens Toyota der Reichweitenvorteil gewesen, da die Japaner 14 Runden und somit eine Runde mehr als Porsche fahren konnten und so weniger Boxenstopps benötigte.

Private LMP1-Teams

Der Titel des besten LMP1-Privatteams geht an Nicolas Prost, Nick Heidfeld und Nelson Piquet Jr., die wie zuletzt, nicht von den Problemen der Werksteams profitierten und in der LMP1-Klasse Sechster wurden. Die von der Technik her einfacher aufgebauten LMP1-Prototypen ohne Hybrid-System waren mindestens genauso fehleranfällig und verbrachten viel Zeit in der Garage. Bei beiden Fahrzeugen von Rebellion musste die Kupplung getauscht werden, bei der Konkurrenz vom ByKolles Racing Team hatte man durch Motorprobleme rund 180 PS weniger zur Verfügung. Später bedeutete ein Fahrzeugbrand das Ende des Rennens. Der Rebellion R-One von Matheo Tuscher, Alexandre Imperatori und Dominik Kraihamer sowie der CLM P1/01 von ByKolles wurden nicht gewertet.

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