6 Stunden von Fuji: Toyota holt ersten Saisonsieg in der WEC

6 Stunden von Fuji 2016, Toyota TS050 - Hybrid #6 © Toyota Motorsport GmbH

In einem bis zur letzten Sekunden hochspannenden Rennen, gelingt Toyota mit dem Gesamtsieg beim Heimrennen in Fuji der erste Sieg seit dem WEC-Lauf in Bahrain 2014. Das heutige Rennen gehörte definitiv zu einem der spannendsten Rennen der WEC, für das vor allem die LMP1- und LMP2-Klasse verantwortlich waren.

In der LMP1-Klasse waren Audi, Porsche und Toyota über das gesamte Rennen ebenbürtig, lagen innerhalb von wenigen Sekunden auseinander und bis zum Schluss war nicht abzusehen, wer das Rennen gewinnt. Über einen Großteil des Rennens lag der Audi R18 von Duval/Di Grassi/Jarvis in Führung, glänzte mit reinem Speed, verlor jedoch wie in der gesamten Saison bereits zu beobachten, Zeit in der Boxengasse. Das Schwesterfahrzeug von Lotterer/Fässler/Tréluyer hatte bereits 25 Minuten nach dem Start mit einem Ausfall des Hybridsystems zu kämpfen, was zu einem längeren Aufenthalt in der Garage führte. Bei Audi entschloss man sich die vorderen beiden Antriebswellen auszubauen und das fehlende Gewicht durch Zusatzgewichte auszugleichen. So hätte man zwar kein Hybridsystem und wäre mehrere Sekunden langsamer als die Konkurrenz, doch man hätte wichtige Meisterschaftspunkte sammeln können. In dieser Konfiguration entsprach der Wagen jedoch nicht mehr der Homologation, die FIA untersagte die Weiterfahrt und der LMP1-Prototyp wurde endgültig stillgelegt. Beim letzten Boxenstopp der LMP1-Prototypen, erhielt der Sieger-Toyota von Kobayashi/Conway/Sarrazin im Gegensatz zum Audi R18 (#8) keine neuen Reifen und ging als Führender aus der Box auf die Strecke. Der Abstand von Loic Duval auf Kamui Kobayashi betrug zu dem Zeitpunkt rund 15 Sekunden und kurz dahinter lag bereits der Porsche von Webber/Hartley/Bernhard. Dem Franzosen gelang es die 15 Sekunden auf ein Minimum zu reduzieren – doch die Zeit wurde knapp. Kobayashi überquerte letztlich nur mit 1,439 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Für Audi ist es eine erneute Enttäuschung, nachdem in allen Rennen nach Le Mans schneller als die Konkurrenz war. Defekte Hybridsysteme, andere technische Gebrechen und vor allem Pech bei FCY-Phasen verhinderten jedoch Siege der Ingolstädter. Als Dritte kamen mit rund 17 Sekunden Abstand Webber/Hartley/Bernhard ins Ziel. Danach folgen der zweite Toyota TS050 – Hybrid (#5) sowie in der Meisterschaft führende Porsche 919 Hybrid (#2).

In der privaten LMP1-Klasse zeigte das ByKolles Racing Team anfangs gute Leistungen, doch abermals machte dem Team die Technik einen Strich durch die Rechnung. Da das Auto nicht gewertet wurde, kam es zur vorzeitigen Entscheidung in der Meisterschaft. Der Teamtitel der Klasse geht das fünfte Jahr in Folge an Rebellion Racing, der Fahrertitel ebenso (Imperatori/Kraihamer/Tuscher). Damit verabschieden sich die Schweizer mit beiden Titeln aus der Klasse und sind ab dem kommenden Jahr in der LMP2-Klasse anzutreffen.

In der LMP2-Klasse war es zum Ende nicht weniger spannend als in der großen Prototypenklasse. Mehr als Dreiviertel der Renndistanz sah es nach einen Sieg für G-Drive Racing aus, das anfangs viel Abstand zwischen sich und den nachfolgenden Fahrzeugen brachte. Dahinter folgten RGR Sport by Morand, der neu besetzte ESM-Ligier von Giovinazzi/Gelael/Van der Garde, einer der Manor und Signatech Alpine. Durch Durchfahrts- und Stop&Go-Strafen schieden ESM und Manor jedoch aus dem Kreis der Sieganwärter heraus und Signatech Alpine schob sich auf den dritten Platz. Zum Schluss rückten die drei Teams sehr eng zusammen und der RGR-Ligier schob sich zeitweise auf die erste Position. In einem harten, aber fairen Kampf gelang es Will Stevens im G-Drive-Oreca die Position zurückzuerobern, allerdings kam er dabei der Boxenmauer extrem nah und schoss mit hoher Geschwindigkeit an der Boxenausfahrt vorbei. Die Rennleitung wertete dieses Manöver als Gefahr für Fahrzeuge die aus der Box hätten kommen können und Stevens musste die Position wieder an Bruno Senna abgeben. Bei noch fünf verbliebenen Minuten gelang es Stevens jedoch wieder die erste Position zu übernehmen und fuhr den Sieg ein. Der Abstand zu RGR Sport by Morand beträgt nur 1,398 Sekunden, der auf den Drittplatzierten Signatech Alpine 27,623 Sekunden.

Das Ergebnis in der LMGTE Pro-Klasse entspricht, bezogen auf das Fabrikat, exakt der Startaufstellung. Andy Priaulx und Harry Tincknell feiern im Ford GT (#67) einen ungefährdeten Sieg, das Schwesterfahrzeug (#66) von Stefan Mücke und Olivier Pla kommt mit rund 15 Sekunden Abstand als Zweiter ins Ziel. Ebenfalls mit 212 Runden, aber weiteren 26 bzw. 34 Sekunden Abstand, folgen Calado/Bruni im Ferrari 488 GTE (#71) sowie der zweite 488 GTE (#51) von Bird/Rigon. Das bei den letzten Rennen so stark auftretende Team von Aston Martin Racing hatte mit der neuen BoP-Einstufung zu kämpfen, die einen kleineren Luftmengenbegrenzer vorschrieb. Die fehlende Leistung machte sich auf der 1,5 Kilometer langen Start-Ziel-Geraden besonders bemerkbar und eröffnete nur wenig Chancen auf den Sieg. Zum Schluss belegten die beiden Wagen von fünften (#95) und sechsten (#97) Platz – vor Dempsey-Proton Racing.

In der LMGTE Am-Klasse fuhr Aston Martin Racing einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein. Für Dalla Lana/Lauda/Lamy ist es bereits der vierte Saisonsieg. Auf dem zweiten Rang kam, trotz einer 35-Sekunden-Strafe aufgrund zu hoher Geschwindigkeit in der Boxengasse, AF Corse ins Ziel. Komplettiert wird das Podium von KCMG. Die Teams kamen mit je einer Runden Differenz ins Ziel.

Der nächste WEC-Lauf findet am 06. November in Shanghai statt – Startzeit ist um 04:00 Uhr deutscher Zeit.

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