Bahrain: Audi verabschiedet sich mit Sieg aus der LMP1-Szene

6 Stunden von Bahrain 2016, Sieger © Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH

Das 6-Stunden-Rennen in Bahrain, war das Rennen, über dass das Wort „Abschied“ schwebte. Es war nicht nur das letzte Rennen für Audi Sport, sondern auch für weitere Teams, Fahrer sowie einige Fahrzeuge und Komponenten. Als Beispiele lassen sich der Abschied von Mark Webber aus dem aktiven Motorsport, der Wechsel des LMP2-Teams Extreme Speed Motorsport in die IMSA-Serie, das letzte Rennen eines Diesel-Motors im Spitzenmotorsport und die Ausmusterung des in 37 von 41 WEC-Rennen siegreichen LMP2-Motors von Nissan nennen, der 2017 durch den Einheitsmotor von Gibson ersetzt wird. Doch der schmerzhafteste Abschied, war der von Audi. In der Startaufstellung flossen bereits Tränen bei Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich und Teilen des Teams. Toyota zeigte abermals eine tolle Geste, als man ein unterschriebenes Banner an Ullrich übergab. In der ersten von zwei Einführungsrunden fuhr das Audi-Safety-Car und die beiden Audi R18 mehrere hundert Meter vor dem Starterfeld und bekamen somit ihre ganz persönliche Abschiedsrunde. Auch der Rennleiter Eduardo Freitas und die Streckenposten verabschiedeten sich mit einem Funkspruch beziehungsweise einem Banner.

Nachdem sich der auf der temporär also auf der zweiten Position befindlichen R18 von Lotterer/Fässler/Tréluyer wieder auf der vierten Position einreihten, ging das Rennen los und der von der Pole-Position startende Audi R18 von Duval/Di Grassi/Jarvis konnte sich schnell auf mehrere Sekunden absetzen. Nach rund 30 Minuten gelang Audi die Doppelführung und man setzte sich weiter von der Konkurrenz ab. Nach den ersten Boxenstopps kollidierte Neel Jani im in der Meisterschaft führenden Porsche 919 Hybrid mit dem KCMG-Porsche  – Reifenschaden! Durch die langsame Fahrt zur Box und der Reparatur, verlor man gut zwei Minuten und fiel an das Ende des LMP1-Feldes zurück. Audi stellte an diesem Tag das mit Abstand schnellste Auto und die Dominanz schwand auch nicht bei kühleren Temperaturen. Die Konkurrenz von Porsche und Toyota fuhren derweil ihr eigenes Rennen und lieferten sich um die dritte Position einen spannenden Kampf. Der Audi von Jarvis/Di Grassi/Duval nutzte als einziges LMP1-Team die FCY-Phase, die von einem der Aston Martin ausgelöst wurde, für einen Boxenstopp und gewann dadurch weiter an Vorsprung. Durch zwei verschiedene Strategien wechselten sich die Wagen an der Spitze ab, doch letztlich gelang dem Team rund um Jarvis/Di Grassi/Duval trotz des Verlustes von Abtrieb und dem Einsetzen von Untersteuern, den wohlverdienten Sieg nach Hause zu fahren. Auf dem zweiten Platz folgt das Schwesterfahrzeug von Lotterer/Tréluyer/Fässler was zudem bei einem Boxenstopp mit einem Problem an einem der Schlagschrauber zu kämpfen hatte. Das Podest wurde von Webber/Bernhard/Hartley komplettiert, die beiden Toyota kamen mit je einer Runde Rückstand auf dem vierten und fünften Platz ins Ziel. Der zweite Porsche 919 Hybrid von Dumas/Jani/Lieb wurde Sechster, was für den Gewinn des Fahrertitels reichte. Die Le-Mans-Sieger lösen damit Webber/Hartley/Bernhard ab, die im vergangenem Jahr den Fahrertitel gewannen.

„Danke an die gesamte Mannschaft für eine tadellose Leistung. Einen schöneren Abschied kann man sich nicht wünschen“, lobte Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. „Unsere Wettbewerber und die FIA WEC haben uns an diesem Rennwochenende mit vielen schönen Gesten einen sehr emotionalen Abschluss bereitet, und wir bedanken uns mit dem bestmöglichen sportlichen Ergebnis für so viele tolle Jahre Rennsport. Ein unvergessliches Wochenende!“ Auch Stefan Dreyer, Leiter LMP von Audi Sport, fand lobende Worte: „Wir hatten uns heute in Bahrain das Maximum vorgenommen, und genau das haben wir auch erreicht. Ein riesiges Dankeschön an diese Spitzenmannschaft, an das Audi Sport Team Joest, an unsere Fahrer und an alle, die dies hinter den Kulissen in Neuburg, Neckarsulm und Ingolstadt ermöglicht haben. So emotional und berührend dieser Abschied auch erscheinen mag, so sehr freuen wir uns doch auch über diese sportliche Spitzenleistung mit dem Doppelsieg und den beiden Vize-Weltmeistertiteln. Einen herzlichen Glückwunsch an alle.“ Durch den Doppelsieg verbesserte Audi die Bilanz auf 107 Siege in 187 LMP1-Rennen. In fünf Jahren WEC und 41 Rennen, siegten die Ingolstädter 17 Mal und gewannen je zweimal den Fahrer- und Herstellertitel.

Bevor man in der kommenden Saison in die LMP2-Klasse wechselt, gewann Rebellion Racing noch das letzte Rennen in der privaten LMP1-Klasse.  Ob man in der WEC, der ELMS oder in der IMSA-Serie fährt, steht derweil noch nicht fest. Das ByKolles Racing Team musste vom vorletzten Platz aus ins Rennen starten und wühlte sich mühsam durch das GTE- und LMP2-Feld, doch der Abstand zu Rebellion Racing war zu dem Zeitpunkt schon zu groß. Letztlich blieb nur der zweite Platz für das Team, das im kommenden Jahr das einzige private LMP1-Team sein wird. Die LMP2-Klasse bot, wie bereits in so vielen Rennen der aktuellen Saison, sehr spannende Zweikämpfe. G-Drive Racing musste sich nach dem Verlust der Pole-Position vom Ende des Feldes durch die GTE-Wagen und die LMP2-Konkurrenz kämpfen und spielte anfangs keine Rolle. Die Anfangszeit gehört dem LMP2-Champion Signatech Alpine, RGR Sport by Morand und dem ESM-Ligier von Dalziel/Derani/Cumming, die sich über weite Strecke enge, aber faire Duelle lieferten. ESM verabschiedete sich aus dem Kampf, als Cumming am Steuer saß, wohingegen René Rast im Oreca 05 von G-Drive Racing auf den zu dem Zeitpunkt noch führenden ESM-Ligier enorm aufholte, nachdem er an Filipe Albuquerque an Stephane Richelmi vorbeiging und nun auf dem zweiten Platz lag. Mit neuen Reifen ging Albuquerque zwar erneut vorbei, doch rund 20 Minuten vor Schluss setzte sich Rast durch und fuhr den Sieg nach Hause. Der Abstand zu RGR Sport by Morand betrug 6,840 Sekunden, der zum Drittplatzierten Signatech Alpine eine Runde.

In der LMGTE Pro-Klasse  dominierte Aston Martin Racing das Geschehen und lange Zeit sah es nach einem Doppelsieg sowie dem Gewinn des Fahrertitels und des Herstellertitels aus. Nach drei Stunden löste sich jedoch nach einem Boxenstopp ein Reifen des Duos Turner/Adam (#97), was eine FCY-Phase und eine Reparatur des Wagens zur Folge hatte. Ohne die FCY-Phase wäre der Rückstand noch deutlich größer als die nun angefallene eine Runde Rückstand ausgefallen. Der Herstellertitel war somit so gut wie weg. Der „Beschützer“ vom in der Meisterschaft führenden dänischen Duo Thiim/Sörensen war nun am Ende des Pro-Feldes und die Dänen mussten sich alleine gegen die beiden Ferrari 488 Italia durchsetzen, was ihnen bis zum Rennende auch gelang. Mit rund zwölf Sekunden Vorsprung retten sich Thiim/Sörensen vor Bruni/Calado (#51) und Rigon/Bird (#71) von AF Corse ins Ziel und holen den Fahrer- und Teamtitel. Ferrari ist 2016 mit 261 Punkten der beste GT-Hersteller und beendete die Saison vor Aston Martin (251 Pkt.), Ford (221,5 Pkt.) und Porsche (113 Pkt.).

In der LMGTE Am-Klasse war das Rennen, zumindest in Sachen Meisterschaft, ebenfalls genau zur Halbzeit entschieden. Die Ausgangssituation sah so aus, dass das Trio von AF Corse mit 24 Punkten vor dem Trio von Aston Martin lag und somit beste Chancen auf den Titel hatte. Anfangs lag Larbre Competition in Führung, doch schon wenig später begann die große Show der beiden Proton-911er von Abu Dhabi-Proton Racing und KCMG, die im Saisonverlauf nicht viele Glücksmomente feiern konnten. Im Fernduell zwischen AF Corse und Aston Martin Racing, leisteten sich Mathias Lauda und Paul Dalla Lana einen Dreher. Wenige Sekunden nach dem zweiten Dreher, stieg weißer Qualm aus dem Auspuffrohr des Aston Martin auf – Motorschaden! Somit ging der Fahrer- und Teamtitel in der Amateur-Klasse an AF Corse, die das Rennen letztlich auf dem dritten Platz beendeten. Der Sieg geht mit einer Runde Vorsprung an Al Qubaisi/Heinemeier Hansson/Long im Porsche 911 RSR von Abu Dhabi-Proton Racing, vor Ried/Henzler/Camathias im Porsche von KCMG. „Für uns war es ein perfektes Rennen vom Start bis ins Ziel. Alles lief wirklich optimal, bis hin zum Boxenstopp in der Safety-Car-Phase, der das Rennen sicherlich zu unseren Gunsten entschieden hat. Meine Teamkollegen sind wieder sehr stark gefahren, und am Ende war es mein Job, den Sieg sicher nach Hause zu fahren“, kommentierte Patrick Long das Rennen.

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