Silverstone 2017: Toyota gewinnt WEC-Saisonauftakt

6 Stunden von Silverstone 2017, Toyota Gazoo Racing, Siegerfahrzeug Toyota TS050 - Hybrid #8 © Toyota Motorsport GmbH

In einem bis zum Schluss spannenden WEC-Rennen in Silverstone, konnte sich Toyota Gazoo Racing knapp gegen das Porsche LMP Team durchsetzen – der erhoffte Doppelsieg blieb den Japanern jedoch verwehrt. Da Toyota bereits das Training und das Qualifying klar dominierte und Porsche mit der für Silverstone nicht geeigneten Le-Mans-Aerokonfiguration antrat, rechneten viele Experten und Fans im Vorfeld mit einer klaren Angelegenheit zugunsten von Toyota.

Zum Start konnten sich die Toyota schnell absetzen, doch ab einem gewissen Punkt stagnierte der Vorsprung und Porsche verlor weniger Zeit als man vor der Rennen vermutet hätte. Rund 90 Minuten nach Start bekam Conway Probleme, als ein Stabilisator am Heck brach, es zudem Softwareprobleme gab und man wertvolle Sekunden auf der Outlap verlor. Beide Porsche 919 Hybrid nutzen die Chance und zogen vorbei. Kobayashi verlor durch einen Ausritt ins Kies eine Runde und blieb zu dem Zeitpunkt auf der vierten Position. Durch die von einem brennenden Porsche 911 RSR ausgelöste FCY-Phase, in der Toyota im Gegensatz zu Porsche in die Box fuhr, ging Nakajima wieder in Führung und führte das Feld mit über 20 Sekunden an. Wenig später flog der auf der vierten Position liegende José Maria López mit seinem TS050 – Hybrid in die Mauer, was eine FCY-Phase auslöste. Nach rund zehn Minuten fuhr er wieder in Richtung Box – die FCY-Phase wurde mittlerweile zu einer Safety-Car-Phase. In der Box angekommen klagte der mehrmalige WTCC-Champion über Rückenschmerzen, weshalb er ins Streckenhospital und später in ein örtliches Krankenhaus gebracht wurde. Porsche kam die SC-Phase zugute, der Abstand zum führenden Toyota sank wieder auf nur noch rund sechs Sekunden. Nach rund 80 Minuten Reparaturzeit gelang es den Toyota-Mechanikern wieder den stark beschädigten TS050 auf die Strecke zu schicken. Eine Stunde vor Schluss lag der Vorsprung von Nakajima bei etwa 20 Sekunden, beim letzten Boxenstopp bekam der Japaner frische Reifen aufgeschnallt. Beim Porsche-Boxenstopp ging man volles Risiko, Hartley bekam keine neuen Reifen und ging mit einem Vorpsrung von acht Sekunden in die Schlussphase. Letztlich kämpfte der Neuseeländer jedoch mit stumpfen Waffen und musste Buemi 15 Minuten vor Schluss vorbeilassen. Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima gewinnen ein Rennen, das enger war als erwartet! Das Trio kommt mit nur 6,173 Sekunden Vorsprung vor Hartley/Bamber/Bernhard ins Ziel. Jani/Lotterer/Tandy werden Dritter (+ 46,956 Sek.). Der verunfallte Toyota schafft es trotz der langen Reparaturphase in die Wertung zu kommen. Nicht gewertet wurde hingegen der ENSO CLM P1/01 vom ByKolles Racing Team, der über weite Teile des Rennens am Ende des LMP2-Feldes fuhr. Kleinere technische Probleme und ein Zusammenstoß mit dem Aston Martin von Turner/Adam/Serra verhinderten jedoch die Wertung.

Youtube-Channel: FIAWEC

Die LMP2-Klasse wurde über vier Stunden von Signatech Alpine Matmut dominiert und es sah lange danach aus, als wenn die LMP2-Titelträger von 2016 auch den Saisonauftakt der WEC-Saison 2017 gewinnen würden. Doch die FCY- und Safety-Car-Phase machten den Franzosen das Rennen zunichte – am Ende nur der vierte Platz! Der Sieg geht an Ho Pin Tung, Oliver Jarvis sowie Thomas Laurent und nicht an die als Titelkandidaten gehandelten Teams Vaillante Rebellion, Signatech Alpine Matmut oder G-Drive Racing. Das Team rund um den Ex-Audi-LMP1-Fahrer Jarvis konnte die beiden Situationen besser nutzen und übernahm die Führung, die sie am Ende in einen Sieg ummünzten. Auf dem zweiten Platz platzierten sich Julien Canal, Nicolas Prost und Bruno Senna von Vaillante Rebellion (+ 19,376 Sek.). Das Schwesterfahrzeug fiel durch Dreher, Kollisionen und einer Strafe eher negativ auf und wurde Vorletzter. Das Podium komplettierte TDS Racing (+ 21,268 Sek.).

Das WEC-Debüt des neuen Porsche 911 RSR war mit Höhen und Tiefen verbunden. Phasenweise war man auf Siegkurs, am Ende sprang nur der dritte Platz (+ 26,585 Sek.) für Frédéric Makowiecki und Richard Lietz heraus. Für das Schwesterfahrzeug von Christensen/Estre war das Rennen kurz vor der Halbzeit zu Ende, als der Wagen anfing zu brennen. Nach derzeitigem Stand soll es sich jedoch um keinen Motorschaden gehandelt haben. Um den Sieg kämpften die Fabrikate Ferrari, Ford und Porsche – Aston Martin wurde zwar zeitweise durch die SC-Phase nach vorne gespült, spielte letztlich jedoch keine große Rolle am heutigen Tage. Kurz vor Schluss lief es auf einen Kampf zwischen Ford und dem verbliebenen Porsche hinaus, doch der führende Porsche musste noch einmal an die Box und Ford fuhr den Sieg ein. Gewinner sind Andy Priaulx, Harry Tincknell sowie Luis Felipe Derani, die in der Anfangsphase aufgrund einer offenen Tür und Reifenproblemen die Hoffnung auf einen Sieg schon fast verloren. Zweiter werden James Calado und Alessandro Pier Guidi, die den Boxenstop von Porsche ebenfalls für sich nutzen konnten und eine Position gutmachten (+ 15,604 Sek.).

In der LMGTE Am-Klasse kam es nur wenige Sekunden vor Schluss zu einem echten Drama für den in Führung liegenden Aston Martin, der auch weite Teile des Rennens anführte. Dieser kollidierte mit dem Ferrari von Spirit of Race. Der Ferrari wurde ins Kiesbett geschleudert, der Aston Martin konnte zwar die Ziellinie überqueren, wurde aber zwischenzeitlich von dem auf der zweiten Position liegenden Ferrari von Clearwater Racing überholt und verlor den Sieg an den WEC-Debütanten! Kurz zuvor übernahm Aston Martin erst die Führung, da sich Spirit of Race mit der Spritmenge verkalkulierte. Mit 1,768 Sekunden Abstand kam Pedro Lamy ins Ziel, Dritter wurde der Porsche von Dempsey-Proton Racing (+ 25,315 Sek.).

Das nächste WEC-Rennen findet am 06. Mai in Spa-Francorchamps statt.

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