LMP1-Reglement ab 2020: Massive Einschnitte bei der Entwicklung

24 Stunden von Le Mans 2017, Test, Toyota Gazoo Racing © Toyota Motorsport GmbH

Der ACO und die FIA haben auf einer Pressekonferenz erste Details für das LMP1-Reglement ab 2020 veröffentlicht. Der Fokus wurde dabei auf Stabilität, Kostenreduzierung und elektrische Energie gelegt. Vor allem die vierjährige Stabilität des Regelwerks soll neue Hersteller in die LMP1-Klasse der FIA WEC locken. Die LMP1-Klasse steckt nach dem Rückzug von Audi in einer Krise und mit Peugeot hat derzeit nur ein Hersteller Einstiegsabsichten. Doch wenn die Kosten nicht signifikant sinken, sagen auch die Franzosen ab. Ein drittes Energierückgewinnungssystem oder die Erhöhung auf zehn Megajoule Hybridleistung – davon sprechen die Regelhüter schon lange nicht mehr.

Aerodynamik

Auf Seiten der Aerodynamik wird die Anzahl der Aero-Pakete für die gesamte Saison von aktuell zwei auf nur noch ein Paket reduziert. Um das Paket an die High- und Low-Downforce Rennstrecken anpassen zu können, werden Frontsplitter und Heckflügel variabel sein. Dabei sollen konfigurierbare Flaps zum Einsatz kommen. Der Unterboden wird in fest definierte Flächen eingeteilt, die weiterentwickelt werden dürfen.

Fahrzeug und Entwicklung

Neben Einschränkungen bei der Bremskühlung, wird die Anzahl der Motoren auf vier, die der Getriebe auf zwei Stück pro Jahr reduziert. Ab 2020 wird zudem ein Tokensystem eingeführt. Die Werke werden dadurch nicht mehr in der Lage sein zwischen den Saisons ein komplett neues Auto zu entwickeln, da diese festlegen müssen, welchen Bereich (Chassis, Motor, Hybridsystem und Bodywork) sie im Winter weiterentwickeln wollen. Konzentriert man sich beispielsweise stark auf das Chassis, sinken die Möglichkeiten der Weiterentwicklung in den anderen Bereichen.

Des Weiteren werden Biokraftstoffe eingeführt, um weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu sein. Neue Energien, wie z.B. Wasserstoff, werden hingegen verschoben.

Hybrid

Die Hybridregeln bleiben unverändert bei zwei Systemen und maximal acht Megajoule pro Runde. Eine Neuerung wird die Plugin-Technologie sein. Die Teams dürfen das Fahrzeug während eines Boxenstopps elektrisch aufladen – allerdings muss danach der erste Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden. Mit der Performance eines Verbrennungsmotor! Die Ladezeit soll dabei der eines normalen Tankvorgangs entsprechen. Des Weiteren soll die Ziellinie in Le Mans elektrisch überquert werden. Genaue Details dazu müssen in den kommenden 2 1/2 Jahren festgelegt werden.

Tests, Windkanal, Personal

Auch beim Thema private Testtage, Windkanalstunden und Personal wurden Änderungen vorgenommen. Die Anzahl der privaten Testtage soll reduziert werden, dafür gibt es mehr kollektive Testtage um auch eine gewisse Transparenz zu schaffen. Die Winkanalstunden werden von aktuell 800 auf 600 Stunden reduziert, die Mannschaftsstärke sinkt bei Rennen außerhalb von Le Mans von 65 auf 50 Personen.

Sicherheit

Das neue Reglement beinhaltet auch einige Sicherheitsaspekte. Dazu gehören u.a. verstellbare Pedale, ein höheres und breiteres Cockpit, mehr Platz für Kopf und Beine sowie verschärfte Crashtests.

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