Dezimiertes LMP1-Feld: Porsche geht nach Aufholjagd als Sieger hervor

24 Stunden von Le Mans 2017, Porsche 919 Hybrid #2, Siegerfahrzeug © Porsche

Ein stark dezimiertes LMP1-Feld und eine Fast-Sensation – die 24 Stunden von Le Mans 2017 hatten vor allem wieder eines zu bieten: Dramatik. Leidtragender war erneut Toyota, bei denen es wieder nicht mit einem Gesamtsieg klappte. Nach 24 Stunden standen Timo Bernhard, Brendon Hartley und Earl Bamber als Sieger fest, dessen Triumph auf einer spektakulären Aufholjagd basiert.

Porsche hatte den ersten Rückschlag am Samstag um 18:30 Uhr zu verkraften, als der Wagen von Bernhard/Bamber/Hartley in die Garage geschoben und rund eine Stunde repariert wurde musste. Schuld war ein defekter E-Motor an der Vorderachse. Die Siegchancen gingen gegen Null, als sich das Fahrzeug am Ende des Teilnehmerfeldes einreihte. Nach dem Toyota-Drama im Vorjahr, als man in Führung liegend fünf Minuten für Schluss ausfiel, beschloss Toyota, dass man 2017 drei TS050 – Hybrid nach Le Mans schicken wird. Die Ausgangschancen waren blendend: Siege in Silverstone und Spa-Francorchamps, bis auf das Training in Le Mans jede Qualifyingsession dominiert, den Streckenrekord gebrochen und von der Pole-Position gestartet. Doch die 85. Ausgabe des Langstreckenklassikers endete ähnlich dramatisch wie im letzten Jahr. Die Horror-Stunden begannen um kurz vor 23 Uhr, als der in der Meisterschaft führende TS050 – Hybrid von Buemi/Davidson/Nakajima (#8) mit qualmenden Bremsen in die Garage geschoben wurde. Wie beim Porsche mit der Startnummer #2. war auch hier der E-Motor an der Vorderachse defekt und musste ausgetauscht werden. Die Reparatur dauerte allerdings wesentlich länger und letztlich fuhr man mit 30 Runden Rückstand zurück auf die Strecke. Nach einer Safety-Car-Phase, die durch Kies auf der Strecke ausgelöst wurde, konnte Kamui Kobayashi im Wagen mit der Nummer #7 nicht mehr beschleunigen. Das Drama des Pole-Fahrers spielte sich genau auf der Start-Ziel-Linie ab! Dem Japaner blieb in Führung liegend nichts anderes übrig, als die 13,6 Kilometer im Schneckentempo zu bewältigen, doch am Anfang der Porsche-Kurven blieb der LMP1-Prototyp mit Kupplungsschaden stehen und schied aus dem Rennen aus. Der Porsche von Lotterer/Jani/Tandy hatte da schon längst die Führung übernommen und nur noch den TS050 – Hybrid von Kunimoto/Lapierre/Lopez (#9) als echten Gegner. Doch 30 Minuten später wurde dieser kurz hinter der Boxenausfahrt von Trummer im Manor (#25) abgeräumt. Lapierre schaffte es schwer beschädigt und nach mehrmaligen Stopps auf der Strecke bis zum Riesenrad, welches sich kurz vor der Boxeneinfahrt befindet. Dort musste der Franzose den Wagen allerdings abstellen.

Der Porsche 919 Hybrid von Lotterer/Jani/Tandy fuhr danach zwölf Stunden und ohne Konkurrenz an der Spitze des Feldes – bis auch hier ein Drama seinen Lauf nahm, als Lotterer den Wagen ohne Öldruck abstellen musste. Porsche und Toyota hatten somit nur noch ein Eisen im Feuer, doch der Abstand zur Spitze schien zu groß. Die Gesamtführung übernahm derweil das LMP2-Team Jackie Chan DC Racing (#38)! Die Sensation lag in der Luft, denn noch nie hatte ein LMP2-Team einen Gesamtsieg bei den „24 Stunden von Le Mans“ eingefahren. Das Trio des „Mighty 38“ genannten Wagens besteht aus Ho-Pin Tung, dem Ex-Audi-LMP1-Fahrer Oliver Jarvis und dem erst 19-jährigen Thomas Laurent, der Alexander Wurz im Falle eines Sieges als jüngster Le-Mans-Sieger abgelöst hätte. Der Wagen hatte sich in der Nacht in der Spitzengruppe der LMP2-Klasse festgesetzt und profitierte von den Problemen von Vaillante Rebellion, deren zwei Wagen lange Zeit gegeneinander um die Führung kämpften, aber durch diverse Reparaturen und eine Strafe auf die dritte Position (#13) bzw. an das Ende des Feldes zurückfiel (#31). Der Porsche von Bernhard/Hartley/Bamber arbeitete sich seit Samstagabend durch das Feld und langsam wurde klar, dass der Wagen das Führungsfahrzeug von Jackie Chan DC Racing noch abfangen wird. Kurz vor 14 Uhr war das dann soweit – Bernhard ging an Tung vorbei und fuhr den 19. Gesamtsieg für Porsche nach Hause. Für Bernhard ist es nach dem Sieg mit Audi im Jahr 2010 der zweite Sieg in Le Mans. Earl Bamber, der 2015 mit Nico Hülkenberg und Nick Tandy gewann, feiert ebenfalls den zweiten Gesamtsieg. Für Brendon Hartley, der 2015 zusammen mit Bernhard und Webber Fahrerweltmeister in der FIA WEC wurde, war es der zweite große Titel seiner Karriere und der erste Sieg in Le Mans.

Insgesamt schafften es somit nur zwei von sechs LMP1-Wagen ins Ziel! Der privat eingesetzte Wagen vom ByKolles Racing Team hatte bereits kurz nach dem Start einen Reifenschaden, doch die anhaltenden Motorprobleme führten dazu, dass das Team den Wagen nach sieben Runden abstellte.

In der LMP2-Klasse schafften es Nelson Piquet Jr., David Heinemeier Hansson und Mathias Beche im Oreca 07 (#13) von Vaillante Rebellion, trotz technischen Problemen und der Strafe für den laufenden Motor während eines Boxenstopps, die zweite Position zu sichern. Dritter wurde der zweite Oreca von Jackie Chan DC Racing (#37, Cheng/Gommendy/Brundle), der in der Endphase von einem Ausritt des bis dahin an dritter Position liegenden Alpine A470 (#35) profitierte. Der jeweils bestplatzierteste Ligier, Dallara und Riley/Multimatic, schloss das Rennen auf dem 5. Platz (United Autosports), 8. Platz (Cetilar Villorba Corse) und 21. Platz (Keating Motorsports) ab.

Das LMGTE Pro-Feld bot bis zur vorletzten Runde enorme Spannung, als sich die führende Corvette von Taylor und der zweitplatzierte Aston Martin von Adam ein spannendes Duell lieferten, welches positiv für Adam ausging. Eine Kollision zwischen den beiden Kontrahenten war für Taylor der Anfang vom Ende. Mit Bremsproblemen schoss er durch das Kiesbett einer Hunaudieres-Schikane und fiel letztlich sogar noch hinter den Ford von Priaulx/Tincknell/Derani zurück und wurde Dritter. Aston Martin dominierte das Geschehen im Rennen und lange Zeit gab es sogar eine Doppelführung mit dem Schwesterfahrzeug von Thiim/Sörensen/Stanaway. Ein Reifenschaden und ein Ausritt ins Kiesbett verhinderten jedoch eine bessere Platzierung als der neunte Platz. Porsche und Ferrari hielten relativ gut mit, Ford konnte nie wirklich mithalten und profitierte letztlich am Ende durch den Corvette-Zwischenfall. Der jeweils beste Porsche und Ferrari belegten den vierten (#91) und fünften (#71) Platz. Besser lief es für Ferrari in der LMGTE Am-Klasse, in der das italienische Luxusfabrikat das gesamte Podium füllt! Die immer stark auftretende Aston Martin von Dalla Lana/Lamy/Laudy verlor am Abend durch einen Reifenschaden jegliche Siegchance und fortan war der Weg für Smith/Stevens/Vanthoor im JMW-Ferrari frei. Als Zweiter kam der 55er-Ferrari von Spirit of Race ins Ziel, dahinter platzierte sich der 62er-Ferrari von Scuderia Corse.

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