Abbruch kurz vor Rennende: Toyota gewinnt Chaosrennen in Fuji

6 Stunden von Fuji 2017, Toyota Gazoo Racing, Toyota TS050 - Hybrid #8 vor #7 © Toyota Motorsport GmbH

Die zweite Ausgabe der „6 Stunden von Fuji“ ging 2013 als das Rennen in die WEC-Geschichte ein, welches nur rund drei Stunden dauerte und nach 16 Runden hinter dem Safety Car abgebrochen wurde. Auch an diesem Wochenende gab es im Training, im Qualifying und im Rennen teils heftige Regenfälle und erschwerte Sichtverhältnisse durch Nebel. Erinnerungen an 2013 wurden wach und man rechnete mit einem ähnlichen Ausgang. Die 2017er-Ausgabe war jedoch weit chaotischer als die vor vier Jahren!

Das Feld startete aufgrund von Regen hinter dem Safety Car, nach zwölf Minuten wurde dann Renntempo aufgenommen. Der von der Pole Position startende Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer #2 konnte sich zunächst gut absetzen, das Schwesterfahrzeug (#1) fiel auf die vierte Position hinter die Toyota (#7/#8) zurück. Nach 50 Minuten kam aufgrund der Witterung erneut das Safety Car in Form des Audi R8 zum Einsatz, die #1 sowie die #7 und #8 von Toyota kamen für einen Full Stop Service in die Box. Bei der Nummer #1 wurde zusätzlich die Fronthaube gewechselt, da man beim Start eine leichte Kollision mit der #8 hatte und einen Flap verlor. Knapp 75 Minuten nach Rennstart wurde das Rennen das erste Mal abgebrochen, da vor allem die Sichtverhältnisse miserabel waren. Nach 32 Minuten Standzeit wurde der Rennbetrieb wieder aufgenommen, drei weitere Minuten später kam nun auch die #2 das erste Mal in die Box. Das Trio Bernhard/Bamber/Hartley fiel durch den verspäteten Boxenstopp auf die vierte Position zurück. Nachfolgend waren beide Porsche nicht mehr in der Lage das Tempo der nun führenden Toyota mitzugehen. Anschließend folgten weitere Safety-Car-Phasen und eine FCY-Phase, die den Wagen Lotterer/Jani/Tandy zeitweise nach vorne spülten, doch letztlich gab es an den Toyota kein Vorbeikommen. Genau 90 Minuten vor Ende wurde das Rennen erneut aufgrund der Witterung unterbrochen. Zur Überraschung aller Beteiligten sollte das Rennen zehn Minuten vor Ende noch einmal gestartet werden, doch herannahender Nebel machte den Plan zunichte. Das Rennen wurde nach 4:25 Stunden Renndauer und 113 Runden endgültig abgebrochen. Als Sieger stehen somit Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima (#8) fest, die nach Silverstone und Spa-Francorchamps den dritten Sieg in der Saison einfahren. Mike Conway, Kamui Kobayashi und Jose Maria Lopez (#7) machten den Heimsieg für Toyota perfekt. Als Dritte kamen Jani/Lotterer/Tandy (#1) ins Ziel, dahinter Bernhard/Bamber/Hartley (#2).

„Heftiger Regen und zeitweise dichter Nebel, Start hinter dem Safety Car, zwei Rennabbrüche, viele Safety-Car- und Gelbphasen – wir können froh sein, dass unter diesen widrigen Umständen heute nichts Schlimmes passiert ist. Letztendlich gab es einen glücklichen Doppelsieg für Toyota, aber wir waren in Schlagdistanz und werden alles daran setzen, in Shanghai einer erfolgreichen Titelverteidigung näher zu kommen“, sagt Fritz Enzinger, LMP1-Einsatzleiter bei Porsche.

Die Entscheidung in der Fahrer- und Hersteller-Weltmeisterschaft wurde somit auf das kommende Rennen in Shanghai verschoben.

In der LMP2-Klasse standen Julien Canal, Nicolas Prost und Bruno Senna auf der höchsten Stufe des Siegertreppchens. Das Trio von Vaillante Rebellion (#31) startete mit dem zweiten Fahrzeug des Teams (#13) aus der ersten Reihe der LMP2-Klasse, doch direkt in der ersten Kurve drehte sich die #13 und fiel an das Ende des Feldes zurück. Trotz der diversen Safety-Car-Phasen, blieb die #31, bis auf einige Verschiebungen, an der Spitze des Feldes. Das Schwesterfahrzeug verunfallte spektakulär in Kurve 4, als Mathias Beche einen GTE-Wagen überholen wollte und mit Manor-Oreca von Jean-Eric Vergne kollidierte. Direkt davor, eine Safety-Car-Phase wurde gerade aufgehoben und es galt bis nach Kurve 1 eine Slow-Zone, fuhr Vergne zweimal bei Tempo 80 – ohne Grund – in den Wagen von Beche. Ob es für die beiden Vorfälle noch eine nachträgliche Strafe geben wird, ist offen. Als Zweiter wird der Alpine A470 von Signatech Alpine Matmut gewertet, dahinter kam Jackie Chan DC Racing (#38) ins Ziel.

In der LMGTE Pro-Klasse gewann keiner der favorisierten Porsche 911 RSR, sondern James Calado und Alessandro Pier Guidi im Ferrari 488 GTE (#51) von AF Corse. Die beiden Porsche blieben meist in der Spitzengruppe oder führten diese an. Nach rund vier Stunden wurde der Wagen von Kevin Estre (#92) in Führung liegend von Andy Priaulx umgedreht, wodurch das Schwesterfahrzeug von Lietz/Makowiecki die Führung übernehmen konnte. Der lädierte Porsche hatte durch den Rammstoß eine nicht mehr einwandfrei funktionierende Aerodynamik sowie einen Schaden am Heckdiffusor, wodurch die Fahrer pro Runde eine Sekunde verloren. Nach dem Manöver schlug der 67er-Ford von Priaulx am Ende der ersten Kurve leicht in die Bande ein, aufgrund dessen dieser den Heckflügel verlor und ins Kiesbett rutschte. Durch die Bergung musste eine FCY-Phase ausgelöst werden. Lietz/Makowiecki kamen nach einem harten Kampf mit dem Sieger als Zweite ins Ziel, direkt dahinter platzierten sich Estre/Christensen. In der LMGTE Am-Klasse führte kein Weg an den beiden Ferrari 488 GTE von Spirit of Race und Clearwater Racing vorbei, die nach jeder Rennstunde die Top-2 bildeten. Die starke Performance der beiden Teams kündigte sich bereits durch die guten Ergebnisse in Training und Qualifying an. Der Sieg geht auf das Konto von Thomas Flohr, Francesco Castellacci sowie Miguel Molina von Spirit of Race, die ihren ersten Saisonsieg einfuhren. Komplettiert wird das Podium von Mok/Sawa/Griffin (Clearwater Racing) und Ried/Cairoli/Dienst (Dempsey-Proton Racing).

Der achte Saisonlauf der FIA WEC findet am 05. November in Shanghai statt.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.