WEC: Toyota siegt in Shanghai, Porsche gewinnt Fahrer- und Hersteller-WM

WEC, 6 Stunden von Shanghai 2017, Toyota Gazoo Racing, Toyota TS050 - Hybrid #8 © Toyota Motorsport GmbH

Drei Wochen nach dem von Regen und langen Unterbrechungen geprägten Rennen in Fuji, stand heute Nacht der vorletzte Saisonlauf der FIA World Endurance Championship (WEC) im chinesischen Shanghai vor der Tür. Das Rennen war deutlich spannender und ansehnlicher – vor allem in der LMP2- und LMGTE Pro-Klasse präsentierten die Fahrer erstklassige Wettkämpfe.

Der Gesamtsieg geht an Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima im Toyota TS050 – Hybrid (#8) von Toyota Gazoo Racing. Toyota war gegenüber Porsche so überlegen, dass es bis zum Ende nach einem Doppelsieg für die Japaner aussah. Rund 40 Minuten vor Schluss rammte José Maria Lopez im 7er-Toyota jedoch den 91er-Porsche vom Porsche GT Team und schlich mit einer gebrochenen Hinterradaufhängung und einem Schaden an der Antriebswelle an die Box. Die Reparatur bedeutete etwa 13 Minuten Standzeit, was im Gesamtabschlussklassement einen Rückstand von sieben Runden zur Folge hatte. Darüber hinaus wurde nach dem Rennen eine 10-Sekunden-Strafe aufaddiert, bei sieben Runden Rückstand allerdings das kleinere Übel.

Nur ganz am Anfang konnten die beiden Porsche kurzfristig das Tempo mitgehen, zudem profitierte man von einem Dreher von José Maria Lopez, der den Argentinier von dem ersten auf den vierten Platz spülte. Relativ schnell war jedoch seitens Toyota wieder eine Doppelführung hergestellt. Die #8 vor der #7 – so wie es sich Toyota im Hinblick auf die WM wünschte. Neben dem fehlenden Speed, hatte der Porsche 919 Hybrid von Tandy/Lotterer/Jani mit einem Problem am Gaspedalsensor zu kämpfen. Tandy wurde plötzlich langsam und resettete die Elektronik, was das Problem löste, aber fast eine Runde kostete. Weitere Sekunden kamen hinzu, als Kobayashi und Jani (zu dem Zeitpunkt auf frischen Reifen) leicht aneinander gerieten, Jani sich drehte und den neuen Satz Reifen ruinierte. 38 Minuten vor Schluss kollidierte Lopez, wie bereits oben beschrieben, erneut mit einem Fahrzeug – die Chance auf einen Doppelsieg war somit dahin. Auch die Hersteller-WM, die bis zu dem Zeitpunkt noch nicht entschieden war, wurde doch diesen Vorfall zugunsten von Porsche entschieden.

Porsche gewinnt zum dritten Mal in Folge den Fahrer- und Herstellertitel in der FIA WEC. Timo Bernhard und Brendon Hartley sind nach 2015 bereits zum zweiten Mal Fahrerweltmeister, Earl Bamber gewinnt den Titel zum ersten Mal. Audi konnte die beiden Titel jeweils zweimal gewinnen (2012/2013), Toyota gelang es 2014.

Jackie Chan DC Racing verliert Meisterschaftsführung

Der Rennsport schreibt Geschichten, die sich ein Drehbuchautor kaum besser hätte ausdenken können. Spätestens nach dem Rennen auf dem Nürburgring, als Jackie Chan DC Racing die Fahrer- und Teamwertung in der LMP2-Klasse mit 45 Punkten anführte, hätten viele Fans gedacht, dass die Meisterschaft so gut wie entschieden ist. Dank drei Siegen in den letzten vier Rennen steht nun allerdings Vaillante Rebellion (#31) an der Spitze! Vier Punkte beträgt der Vorsprung – Bahrain wird somit zu einem echten Krimi!

Canal/Prost/Senna (#31) starteten von der Pole-Position aus ins Rennen, die ärgsten Konkurrenten (Tung/Jarvis/Laurent) verloren viele Plätze und fanden sich auf der sechsten Position wieder. Ho-Pin Tung setzte zu einer Aufholjagd an, in dessen Folge er zum Ende des ersten Renndrittels von Ben Hanley im Manor-Oreca gedreht wurde. Hanley bekam dafür eine 5-Sekunden-Strafe beim nächsten Boxenstopp, später eine weitere 10-Sekunden Stop&Go-Strafe, weil er beim Auffahren auf die Strecke Kontakt mit der #97 von Aston Martin hatte. Eine halbe Stunde vor Schluss die nächste Kollision von Tung, als er nach einem spannenden Kampf zwischen Audi-Werksfahrer Nico Müller in Kurve 1 mit dessen G-Drive-Oreca zusammenfuhr. Allerdings hat Müller dafür eine 10-Sekunden Strafe beim nächsten Boxenstopp erhalten. Nach der Analyse der Videos und Telemetriedaten entschieden die Stewards, dass Müller den schnelleren Tung an der nächstmöglichen Stelle hätte vorbeilassen sollen. Der DTM-Pilot legte unterdessen ein gutes WEC-Debüt hin. Zwar drehte sich der Schweizer am Start, seine Teamkollegen Rusinov/Roussel und er zeigten danach aber sehr sehenswerte Manöver, wodurch man wieder auf die vorderen Plätze fuhr. Die Kollision hatte mit Tung hatte jedoch einen Reifenschaden zur Folge – letztlich bliebt dem Team nur der siebte Platz (-2 Runden). Der zweite Oreca von Jackie Chan DC Racing (#37, Cheng/Brundle/Gommendy) fiel beim Heimspiel hauptsächlich durch zwei wilde Manöver auf. Nach 80 Minuten schoss Tristan Gommendy gleich beide Ferrari von Clearwater Racing und Spirit of Race ab (siehe unten). Zweieinhalb Stunden vor Schluss kollidierte David Cheng zudem mit Jean-Eric Vergne in einem der Manor-Oreca (#24) und erhielt dafür eine Durchfahrtsstrafe.

Fernab der Kameras fuhr Signatech Alpine Matmut auf den zweiten Platz, auf dem sie auch das Rennen beendeten. Dritter wird der zweite Rebellion-Oreca (#13, Beche/Heinemeier Hansson/Piquet Jr.).

Spannende Zweikämpfe, Ferrari gewinnt Herstellertitel

Auch in der LMGTE Pro-Klasse gab es sehr sehenswerte Manöver und Zweikämpfe während der sechs Stunden zu sehen. Ernsthafte Sieg- und Podiumschancen hatten jedoch nur Ford und Porsche. Aston Martin (#95) startete von der Pole-Position, den Briten fehlte jedoch schlicht das Renntempo. Letztlich blieb nur ein enttäuschender fünfter Platz für Thiim/Sörensen (#95) und ein siebter Platz für Turner/Adam. Sörensen musste sich bis zum Ende hin mit allen Mitteln gegen den Sechstplatzierten Ferrari von Rigon/Bird behaupten, blieb aber dank einer fehlerlosen Schlussvorstellung vor dem Ferrari. Der zweite Aston Martin wurde zur Rennhalbzeit von einem Manor-Oreca getroffen, der nach dem Zurückkehren auf die Strecke den Vantage V8 ins Heck knallte.

Im ersten Renndrittel dominierten Estre/Christensen im Porsche 911 RSR (#91) und Mücke/Pla im Ford GT (#66) das Geschehen. Nach gut zwei Stunden wurde der in der Zwischenzeit führende Porsche mit Estre am Steuer langsam und blieb im Kiesbett in Kurve 1 stehen – Motorschaden! Als Folge rief Renndirektor Eduardo Freitas eine 5-minütige Full-Course-Yellow-Phase aus, die viele Teams für einen Boxenstopp nutzten (u.a. der 66er-Ford, der kurz davor mit einer offenen Fahrertür zu kämpfen hatte). Das Schwesterauto von Makowiecki/Lietz übernahm die Führung, die auf frischen Reifen fahrenden Ford GT wurden jedoch immer stärker. Porsche sparte sich einen frischen Satz für einen Schlussspurt auf, dem zunächst Olivier Pla im Ford GT (#66) zum Opfer fiel. Auf der zweiten Position liegend und direkt hinter dem führenden Ford von Tincknell passierte es: rund 40 Minuten vor Schluss knallte Jose Maria Lopez im Toyota TS050 – Hybrid (#7) in den 911er von Christensen. Der direkt davor fahrende Ford von Priaulx/Tincknell nutzte den Unfall für sich, baute den Vorsprung aus und fuhr den Sieg ein. Lietz/Makowiecki werden noch Zweiter, James Calado und Pier Guidi hatten sich derweil auf den dritten Platz vorgekämpft und werden Dritter. Der dritte und sechste Platz reicht Ferrari für die Titelverteidigung des Herstellertitels in der LMGTE Pro-Klasse aus.

Klare Angelegenheit in der Amateur-Kategorie

Das Renngeschehen in der LMGTE Am-Klasse ist hingegen schnell erzählt. Aston Martin Racing startete von der Pole-Position und beendete das Rennen nach sechs Stunden auch auf der ersten Position. Der ungefährdete Sieg von Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Mathias Lauda ist im Großen und Ganzen auch darauf zurückzuführen, dass die beiden Ferrari 488 GTE von Clearwater Racing und Spirit of Race frühzeitig – und beide auf einen Streich – von Tristan Gommendy in Kurve 2 abgeräumt wurden. Am schlimmsten hatte es den Ferrari von Spirit of Race erwischt, der auf der Rückfahrt zur Box sogar noch die Beifahrertür verlor. Das Team wurde mit nur 37 Runden nicht gewertet. Mit einer Runde Rückstand belegt Gulf Racing UK den zweiten Platz, dahinter folgt mit einer weiteren Runde Rückstand Dempsey-Proton Racing. Die heutigen Sieger liegen in der Fahrer- und Teammeisterschaft nun ein Rennen vor Schluss mit zehn Punkten in Führung.

Das Saisonfinale der WEC-Saison 2017 findet am 18. November in Bahrain statt.

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