6 Stunden von Bahrain: Toyota gewinnt das WEC-Saisonfinale

6 Stunden von Bahrain 2017, Toyota Gazoo Racing, Toyota TS050 - Hybrid (#8) © Toyota Motorsport GmbH

Beim letzten Rennen der WEC-Saison 2017 gelang es Toyota Gazoo Racing den dritten Sieg in Folge einzufahren. Saisonübergreifend hat man das Duell mit Porsche somit mit 5 zu 4 Siegen für sich entschieden. Der Fahrer- und Herstellertitel wurden bereits in Shanghai an Bernhard/Bamber/Hartley und Porsche vergeben, viele offene Titelentscheidungen gab es jedoch noch in den anderen drei Klassen. Für das Porsche LMP Team mitsamt dem Einsatzfahrzeug Porsche 919 Hybrid war es nach vier Jahren in der WEC das letzte Rennen. Die Weissacher starten ab der übernächsten Saison in der Formel E.

Kurioser Zwischenfall: Während in Mexiko ein Baseball auf der Strecke für eine Full-Course-Yellow-Phase sorgte, war es in Bahrain eine schwarze Katze, die ausgerechnet von links nach rechts, die Strecke kreuzen wollte!

Zu Beginn des Rennens schloss der von der dritten Position startende Timo Bernhard im Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer #2 auf seinen von der Pole-Position startenden Teamkameraden auf – Doppelführung für Porsche! Fünf Minuten nach Start wurde eine Safety-Car-Phase ausgerufen, da ein Poller auf der Strecke lag. Als das Safety Car wieder in der Box war, fuhr Bernhard über einen anderen Poller, der sich unter dem Auto verklemmte. Der zweifache WEC-Champion war gezwungen die Box anzusteuern, wo der Poller entfernt wurde die Vorderhaube gewechselt wurde. Die Teamkollegen konnten sich rund 30 Minuten an der Spitze halten, bevor Toyota eine Doppelführung verzeichnen konnte. Nach 2:57 Stunden kolliederte Kamui Kobayashi im Toyota TS050 – Hybrid mit der Startnummer #7 mit dem Porsche 911 RSR (#92) von Michael Christensen. Christensen landete im Kies und war ausgeschieden, der Japaner steuerte die Box an, in der innerhalb von rund fünf Minuten Schäden am Unterboden, Seitenkasten und Motorabdeckung repariert werden konnten. Dennoch verlor das Trio zwei Runden und die Chance auf den Sieg. Zwanzig Minuten vor Rennende sprach der Rennleiter Eduardo Freitas zudem noch eine Stop-&-Go-Strafe aus. Der Porsche 919 Hybrid von Andre Lotterer, Nick Tandy und Neel Jani war ebenfalls in einer Kollision verwickelt, als Tandy den Gulf-Porsche rammte. Auch hier verlor man durch Reparaturarbeiten eine Runde und fiel auf die dritte Position zurück. Rund eine Stunde vor Schluss wurde zudem eine Durchfahrtsstrafe ausgesprochen.

Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima gewinnen das vorerst letzte Rennen der WEC auf dem Bahrain International Circuit mit einer Runde Vorsprung auf die WEC-Champions Bernhard/Bamber/Hartley (#2) und Jani/Lotterer/Tandy (#1).

In der LMP2-Klasse kam es im letzten Saisonrennen zum Duell zwischen Jackie Chan DC Racing (#38), die bis Shanghai in der Fahrer- und Teammeisterschaft führten, und Vaillante Rebellion (#31), die im Saisonverlauf trotz eines Rückstandes von mehr als 40 Meisterschaftspunkten nie aufgaben und in Shanghai die Führung in beiden Wertung übernahmen. Bruno Senna und Julien Canal gingen mit vier Punkten Vorsprung ins Rennen. Nicolas Prost, dritter Fahrer im Wagen fehlte aufgrund eines Einsatzes beim WEC-Lauf auf dem Nürburgring und konnte deshalb nicht mehr den Fahrertitel gewinnen – gab aber alles für seine beiden Kameraden.

Signatech Alpine, Außenseiterkandidat in beiden Meisterschaften, startete von der Pole-Position aus ins Rennen, fiel aber aufgrund von Problemen zurück. Der DC-Oreca (#38, Tung/Jarvis/Laurent) und der Rebellion-Oreca (#31, Canal/Prost/Senna) lieferten sich harte und sehenswerte Duelle, doch entscheidend sollte die durch den Kobayashi/Christensen-Unfall ausgerufene FCY-Phase werden. Der DC-Oreca bog in die Box, der Rebellion-Oreca nicht. Über die Distanz gesehen brachte der vorgezogene Stopp nichts für Jackie Chan DC Racing, da man keinen Stopp sparen konnte und kurz vor Schluss trotzdem kurz nachtanken musste. Zum Rennende hatte man zudem mit Pick-Up-Problemen zu kämpfen. Rund 50 Minuten vor Schluss sorgte ein Funkspruch des in Führung liegenden Bruno Senna für Aufregung, denn der Brasilianer hatte massive Probleme mit der Servolenkung. Das Problem konnte jedoch behoben werden und das Trio fuhr, trotz einer Pitstop-Strafe nach dem ersten Rennviertel, den Sieg nach Hause. Bruno Senna und Julien Canal sichern sich somit den Fahrertitel, zusätzlich gewinnt die Crew des Wagens mit der Startnummer #31 den Teamtitel. Thomas Laurent, Oliver Jarvis und Ho-Pin Tung werden im Rennen sowie in der Fahrer- und Team-WM Zweiter. Der zweite Rebellion-Oreca von Heinemeier Hansson/Beche/Piquet Jr. wird im Rennen Dritter.

Ferrari konnte bei den bisherigen fünf Ausgaben der „6 Stunden von Bahrain“ bereits dreimal gewinnen und ging als Meisterschaftsführender in der LMGTE Pro Fahrer- und Teamwertung ins Rennen. James Calado und Alessandro Pier Guidi wurden ihrer Rolle gerecht, profitierten aber auch durch die Probleme der Konkurrenz. Gegenwehr leisteten im Grund nur Harry Thinckell und Andy Priaulx im Ford GT mit der Startnummer #67, die das Rennen zwischenzeitlich anführen konnten, bei kühleren Temperaturen jedoch zurückfielen und nur Dritter wurden. Des Weiteren hatte man nach einem Boxenstopp ein Problem mit dem Anlasser, welches weitere 30 Sekunden kostete. Damit gewinnt Ford auch im zweiten Jahr keinen Titel in der WEC. Auch die zweiten ernsthaften Meisterschaftsgegner Lietz/Makowiecki im Porsche 911 RSR mit der Startnummer #91 wurde Ferrari nicht gefährlich. Die beiden Porsche-Piloten fanden mit der harten Reifenmischung kaum Grip und befanden sich größtenteils außer Reichweite des Podiums. Gegen Ende startete man jedoch noch eine Aufholjagd, die jedoch angesichts des Vorsprungs von den Siegern Davide Rigon und Sam Bird zu spät kam. Letztlich wurde man nur Vierter. Das Schwesterfahrzeug von Christensen/Estre war nach dem Unfall mit Kobayashi aus dem Rennen.

Aston Martin hatte bei dem letzten Rennen des aktuellen Aston Martin Vantage GTE in der LMGTE Pro-Klasse keinerlei Chancen auf den Sieg und wurde nur Sechster (#97, Turner/Adam) und Siebter (#95, Thiim/Sörensen). James Calado und Alessandro Pier Guidi (Ferrari 488 GTE, #51) machten den Doppelsieg von AF Corse perfekt und sicherten sich den ersten offiziellen Weltmeistertitel für GT-Fahrer. Auch der Teamtitel für LMGTE Pro-Teams ging an die Mannschaft der Startnummer #51.

Nachdem Sam Bird aus dem Auto ausgestiegen war, hat der Brite seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat ihn angenommen! 😉

Der Titelkampf in der LMGTE Am-Klasse war hingegen weniger spannend, da dieser nach einem Renndrittel bereits entschieden war. Aston Martin ging mit einem 11-Punkte-Polster (167 Pkt.) ins Rennen und hätte aufgrund der Punkte von Dempsey-Proton Racing (156 Pkt.) und Clearwater Racing (147 Pkt.) nicht einmal gewinnen müssen um Meister zu werden. Die Anfangsphase war von sehr ansehnlichen Zweikämpfen zwischen Aston Martin Racing und Dempsey-Proton Racing geprägt, doch 130 Minuten nach dem Start funktionierte das aus Fahrersicht linke Vorderlicht nicht mehr, weshalb der Porsche zur Reparatur in die Garage musste. Das Team aus Ummendorf verlor dadurch vier Minuten, was letztlich das Aus für die Titelträume bedeutete.

Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Mathias Lauda mussten den Sieg nun nur noch nach Hause fahren, was ihnen auch gelang. Das Team kam mit 1:17 Minuten Vorsprung vor Clearwater Racing ins Ziel und bescherte Aston Martin kurz vor der Vorstellung des neuen Vantage GTE auch den LMGTE Am-Teamtitel. Dritter wurden Flohr/Castellacci/Molina im Ferrari von Spirit of Race. Gulf Racing UK wurde nach der Kollision mit Nick Tandy im Porsche 919 Hybrid mit sieben Runden Rückstand Letzter, startete aber bereits mit einer Runde Rückstand, da man nach dem Feuer im Freien Training den Motor wechseln musste.

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