Fuji: Toyota-Doppelerfolg, Team Project 1 feiert ersten Klassensieg in der WEC

FIA WEC, 6 Stunden von Fuji 2018, Toyota Gazoo Racing, Toyota TS050 - Hybrid #7 © Toyota Motorsport GmbH

Beim Toyota-Heimspiel in Fuji gaben sich die Japaner keine Blöße und fuhren einen souveränen Doppelsieg ein. Nach drei Siegen von Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Fernando Alonso, setzten sich beim heutigen 6-Stunden-Rennen erstmals in dieser Saison Mike Conway, Kamui Kobayashi und Jose Maria Lopez im Schwesterfahrzeug gegen den Seriensieger durch. Der Abstand zwischen den beiden Toyota TS050 – Hybrid betrug nach sechs Stunden und 230 gefahrenen Runden lediglich 11,440 Sekunden. Für Toyota ist es der sechste Erfolg im siebten Rennen vor heimischen Publikum und der vierte Sieg im vierten Saisonrennen.

Das Rennen startete auf nasser Strecke hinter dem Safety-Car, welches jedoch nach drei Minuten wieder in die Box einbog. Kobayashi (#7) steuerte nach nur zehn Runden bereits die Box an und ließ sich Hybrid-Reifen aufschnallen. Nach 30 Minuten wurde das Safety-Car erneut auf die Strecke geschickt, als beim Ferrari 488 GTE von MR Racing auf der Start-Ziel-Geraden ein Reifenplatzer das Heck zerfetzte und hunderte Carbonteile auf die Strecke flogen. Zu dem Zeitpunkt hatte das Toyota-Schwesterfahrzeug (#8) jedoch noch nicht gestoppt. Rennleiter Eduardo Freitas entschied sich dafür das Feld durch die Boxengasse fahren zu lassen, um die Aufräumarbeiten nicht zu behindern. Daher war diese zu der Zeit für Stopps gesperrt, wodurch der Toyota mit der Nummer #8 erst später die Box ansteuern konnte. Beim nächsten Boxenstopp war erneut die #7 vor der #8 in der Box, zudem baute man den Vorsprung auf Slick-Reifen aus. Alonso & Co. hatten zudem mit Untersteuern zu kämpfen, welches sich auch durch Ändern des Mappings und dem Wechsel der Heckpartie nicht vollständig beheben ließ.

Die LMP1-Privatteams waren trotz weiterer Anpassungen bei der Equivalence of Technology (EoT) wieder einmal chancenlos. SMP Racing musste bereits nach 20 Minuten einen Rückschlag hinnehmen, als sich beim #17er-Wagen von Sarrazin/Orudzhev/Isaakyan ein Reifen löste. Die Folge war eine 15-minütige Standzeit in der Box. Nach rund vier Stunden rollte der Wagen aus, was eine Full-Course-Yellow-Phase auslöste. Auch Rebellion Racing verlor in der Anfangsphase ein Fahrzeug (#3), als Gustavo Menezes in der Safety-Car-Phase beim Aufwärmen der frischen Reifen in die Mauer einschlug.

Im Kampf um den letzten Podestplatz waren somit nur noch vier Fahrzeuge übrig, allen voran das jeweils zweite Fahrzeug von Rebellion Racing (#1) und SMP Racing (#11). Die Schweizer gewannen auf trockener Strecke an Zeit auf die Russen, der entscheidende Punkt war jedoch ein Lichtmaschinen-Defekt am #11er BR1, wodurch die Crew der #1 den dritten Platz nur noch bis zum Schluss verwalten mussten. Der Abstand auf das Toyota-Werksteam betrug am Ende vier Runden. Trotz des Defektes verbuchten Aleshin/Petrov/Button (#11) einen vierten Platz. Das war trotz elf Runden Rückstand möglich, weil das ByKolles Racing Team ebenfalls mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. DragonSpeed musste den Wagen nach rund fünf Stunden abstellen – auch hier versagte die Technik.

Doppelerfolg für Jackie Chan DC Racing

In der LMP2-Klasse konnte, dank einer Portion Glück, das Team Jackie Chan DC Racing, einen Doppelerfolg feiern. Die beiden Fahrzeug-Crews profitierten von der Safety-Car-Phase, da man gerade in der Box stand, als das dieses hinaus fuhr. Den dadurch erhaltenen Vorteil verwaltete das Team souverän bis zum Ende. Der Sieg geht an das malaysische Trio Jaafar/Tan/Jeffri im Oreca 07 mit der Startnummer #37, der zweite Platz an die Crew des auf den Namen „Mighty 38“ getauften Wagen von Tung/Aubry/Richelmi (#38, + 26,087 Sek.). Das französische Team Signatech Alpine, welches vor dem Rennen den Siegerpokal für den LMP2-Klassensieg in Le Mans erhielt (der Einspruch bzgl. der Disqualifikation von G-Drive Racing wurde abgelehnt), wurde Dritter. Lapierre/Negrao/Thiriet hatten nach 217 gefahrenen Runden 44,398 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Jackie-Chan-Oreca. TDS Racing stoppte auch bevor das Safety Car hinaus fuhr, verlor den Zeitvorteil jedoch durch einen Dreher vom Franzosen Vaxiviere und wurde Vierter (-2 Runden).

Larbre Competition beendete das Rennen auf einem guten fünften Platz (- 6 Runden), das von der Pole Position startende Team DragonSpeed wurde nach einer Kollision mit dem #71er-Ferrari und einer langen Reparaturpause nur Sechster (-12 Runden). Das Racing Team Nederland machte mit drei Drehern auf sich aufmerksam, zweimal war der Gentleman-Fahrer Frits van Eerd Schuld, der den Dallara P217 noch nie bei nassen Bedingungen fuhr und hoffnungslos überfordert war. Nachdem er sich in der Einführungsrunde und hinter dem Safety-Car drehte, wurde er letztlich auch noch von einem LMGTE-Pro-Porsche gedreht, der sich hinter dem Prototypen im Zweikampf mit einem Ford GT befand. Zudem verlor man zwischenzeitlich ein Rad.

Zweiter Saisonsieg für das Porsche GT Team

In der LMGTE Pro-Klasse sah es über einen längeren Abschnitt danach aus, als wenn BMW auf bestem Wege ist den ersten Sieg in der FIA WEC einzufahren. Nach der Safety-Car-Phase und den ersten Boxenstopps in der Klasse, lag der #82er BMW M8 GTE in Führung – Blomqvist konnte die Führung sogar ausbauen. Hauptgegner waren zu der Zeit Ford und Ferrari. Nach Rennhalbzeit wurden der #92er-Porsche von Kevin Estre und Michael Christensen jedoch immer stärker – das Duo übernahm kurz vor der letzten Boxenstopp-Runde die Führung und verwaltete den knappen Vorsprung auf BMW bis zur Zieldurchfahrt. Der Porsche überquerte die Ziellinie mit 12,186 Sekunden Vorsprung vor dem BMW von Blomqvist und Da Costa. Dritter wurde der Ford GT von Priaulx/Tincknell (#67, + 25,242 Sek.). Pole-Setter Aston Martin war zwar im Qualifying schnell, aber das war’s dann auch schon – siebter und neunter Platz für die Engländer, die ab 2019 auch in der DTM starten. Den besten Ferrari findet man auf der vierten Position (#51, + 50,133 Sek.), das Schwesterfahrzeug verlor die Chance auf einen Sieg, als rund 90 Minuten die Radaufhängung nachgab.

WEC-Debütsieg für das Team Project 1 aus Niedersachsen

In der Debütsaison einen Sieg einzufahren – das gelingt wahrlich nicht jedem Team. Selbst renommierte Namen gingen schon in manch einer Serie sang- und klanglos unter. Das niedersächsische Team Project 1 gehört nicht dazu! Nach guten Vorstellungen in den letzten Rennen, der ersten Pole-Position und dem ersten Podestplatz in Silverstone, folgte heute der erste Klassensieg in der Langstreckenweltmeisterschaft! Jörg Bergmeister, Patrick Lindsey und Egidio Perfetti lieferten einen fehlerfreien Job ab und fuhren zum Sieg in der LMGTE Am-Klasse. Es war keineswegs eine erdrückend dominante Vorstellung – nein, das Team arbeitete sich Stück für Stück vor, bis man rund eine Stunde vor Ende die Führung übernahm. Im ersten Drittel musste das Team nach einer leichten Berührung mit einem Toyota die Fahrertür wechseln, doch stellte dieser Zeitverlust keinen K.O. im Kampf um das Podium dar. Als Zweiter und mit 19,938 Sekunden Abstand fuhr das Trio Hoshino/Cairoli/Roda Jr. von Dempsey – Proton Racing (#88) über die Ziellinie. Der dritte Platz geht an Yoluc/Adam/Eastwood von TF Sport, die kurz vor Schluss noch auf der zweiten Position lagen (+ 28,434 Sek.). Einen packenden Schlusskampf um den sechsten Platz lieferten sich Giancarlo Fisichella von Spirit of Race und Matt Griffin von Clearwater Racing, welcher – traurigerweise – eines der Highlights dieses Rennens ist.

MR Racing war, wie bereits geschrieben, für die Safety-Car-Phase verantwortlich, als beim Ferrari ein Reifenplatzer das Heck zerfetzte und hunderte Carbonteile auf die Strecke flogen.

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