Shanghai: Toyota gewinnt Regenrennen, AMR feiert GTE-Pro-Klassensieg

FIA WEC, 6 Stunden von Shanghai 2018 © Joao Filipe / AdrenalMedia.com

Stundenlange Unterbrechungen aufgrund von heftigen Regenfällen gehören bei den beiden WEC-Rennen in Fuji und Shanghai mittlerweile schon dazu – auch heute Nacht (MEZ) war es mal wieder soweit.

Das Rennen begann bei Starkregen hinter dem Safety Car unter wurde nach 16 Minuten bereits unterbrochen. Erst nach quälend langen 60 Minuten schaltete die Ampel auf Grün – für ganze zehn Minuten. Erneut rückte das Safety-Car aufgrund der heftigen Regenfälle aus, um das Feld einzufangen und die Fahrzeuge rund zwölf Minuten um den Shanghai International Circuit zu lotsen, bevor das Rennen – man ahnt es schon – erneut für 32 Minuten unterbrochen wurde. Bevor Renntempo aufgenommen werden konnte, fuhr man dem Safety Car wieder 43 Minuten hinterher. Und schon waren die ersten drei Stunden vorbei…

In den nächsten drei Stunden kam das Safety-Car noch dreimal zum Einsatz, immerhin gab es keine weiteren Unterbrechungen.

Der Rennsieg ging erneut an Toyota Gazoo Racing, die abermals einen Doppelsieg in dieser Saison einfahren konnten. Welches Auto des Werksteams gewinnen wird, entschied sich allerdings erst in der vorletzten Safety-Car-Phase, als der Wagen mit der Startnummer #8 eine Runde später als das spätere Siegerfahrzeug stoppte. Der Rennsieg geht an Mike Conway, Kamui Kobayashi und Jose Maria Lopez, die 1,419 Sekunden vor dem Wagen von Sebastien Buemi, Fernando Alonso und Kazuki Nakajima ins Ziel kamen. Spannend wurde es noch einmal zum Schluss, als acht Minuten vor Ende das Safety Car hereingeholt wurde und die Zweitplatzierten wieder in Schlagdistanz waren.

Die Pace der LMP1-Privatteams, die im Qualifying Toyota das Leben schwer machten, suchte man im Rennen leider vergebens. Die Nummer #3 von Rebellion Racing schlug bereits während der ersten 15 Minuten in die Mauer ein. Zwar konnte sich Thomas Laurent an die Box retten und die Fahrzeugcrew konnte den Schaden begutachten, die anschließende Rennunterbrechung, währenddessen man keine Reparaturarbeiten erledigen darf, verhinderte jedoch eine schnelle Instandsetzung. Letztlich wurden Beche/Laurent/Menezes mit drei Runden Rückstand nur Fünfter. Das Schwesterfahrzeug wurde Vierter, musste sich aber der starken Leistung von SMP Racing (#11, Aleshin/Petrov/Button) geschlagen geben und das Trio des russischen LMP1-Teams vorbeiziehen lassen. Dieses beendete das Rennen, mit einer Runde Abstand hinter den beiden Toyota TS050 – Hybrid, auf dem dritten Platz. Der zweite BR1 von SMP Racing (#17, Sarrazin/Orudzhev/Isaakyan) sprang, mit Kurs auf den fünften Platz, beim letzten Boxenstopp nicht mehr an und musste in der Box repariert werden. Als zum Ende hin der Regen wieder deutlich heftiger wurde, schlug Isaakyan in eine Mauer ein. Zwar passierte der Vorfall vor der letzten Kurve, d.h. direkt vor der Boxeneinfahrt, doch in der Box entschied man sich gegen eine Reparatur des schwer demolierten, jedoch noch halbwegs fahrtüchtigen, Prototypen. Auch das ByKolles Racing Team hatte mit technischen Problemen zu kämpfen und schied nach 50 Runden aus. Der sechste und letzte Platz in der LMP1-Klasse ging somit an DragonSpeed (+ 3 Runden), die zwischenzeitlich eine 30-Sekunden-Stop&Go-Strafe für eine Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse absitzen mussten.

Heimsieg für Jackie Chan DC Racing

In der LMP2-Klasse gelang dem chinesischen Team Jackie Chan DC Racing ein Klassensieg vor heimischer Kulisse. Nach effektiv zweieinhalb Stunden unter grüner Flagge setzten sich Tung/Aubry/Richelmi (#38) vor Gonzalez/Maldonado/Davidson im DragonSpeed-Oreca durch, die letztlich einen Abstand von 13,013 Sekunden hatten. Entscheidend für die finale Phase war die Entscheidung von Jackie Chan DC Racing, den bis dahin in Führung liegenden Oreca bei einsetzendem Starkregen auf den Intermediates zu lassen – doch dieser mutige Plan ging, aufgrund einer starken Fahrerleistung von Aubry und einigen GTE-Autos zwischen DragonSpeed und dem eigenen Fahrzeug beim finalen Restart, letztlich auf. Dritter wurde das Team Signatech Alpine (+ 1:06.388 Min.), welches von einem Boxenstopp von TDS Racing in der letzten Runden profitierte. Dahinter platzierte sich der zweite Wagen vom Siegerteam, welches nach rund 3:15 Stunden ins Kiesbett rutschte und den Anschluss an die Spitzengruppe verlor. Die restlichen Teams waren chancenlos. Kurioserweise findet man in den Top-10 nur einen LMP2-Prototypen, der Rest sind LMP1- und GTE Pro-Fahrzeuge (6 bzw. 3).

Erster Sieg für den neuen Aston Martin Vantage

In der LMGTE Pro-Klasse feierte Aston Martin den weltweit ersten Klassensieg mit der im Frühjahr eingeführten neuen Version des Aston Martin Vantage. Die Klasse bot, wie bereits zuletzt, die größte Spannung war aber aufgrund der vielen Rot- und Safety-Car-Phasen sowie unterschiedlichen Boxenstrategie schwer zu überblicken. Die Engländer profitierten von der meist schwachen Vorstellung der Konkurrenz, aber auch von den bärenstarken Leistungen des „Dane Trains“ in Person von Nicki Thiim und Marco Sörensen. Thiim fuhr vor der letzten Safety-Car-Phase einen großen Vorsprung heraus, der beim Restart in Gefahr geriet, als Lietz/Bruni im #91er-Porsche Boden gut machten. Sörensen rettete sich ins Ziel, der Porsche folgte mit 9,529 Sekunden Abstand. Dritter wurde der #92er-Porsche (Christensen/Estre, +14,828 Sek.), der kurz vor Ende noch an Maxime Martin im zweiten Aston Martin (+ 18,147 Sek.) vorbeiging.

BMW war zwischenzeitlich stark, fiel jedoch im Rennverlauf zurück (6./11. Platz), Ferrari beendete das Rennen nur auf dem fünften und achten Platz. Die als potentielle Sieger eingestuften Ford GT, landeten beide im Kies, Gaststart Corvette Racing wurde nur Zehnter.

Dempsey-Proton Racing feiert Klassensieg

Gestern wurde bekannt, dass das deutsche Team Dempsey-Proton Racing sämtliche Meisterschaftspunkte der WEC Super Saison 2018/19 verliert, da man in Fuji und vermutlich auch in Silverstone eine umprogrammierte Software benutzte, die beim Datenlogger auf die tatsächliche Tankzeit zwei Sekunden addierte. Doch diese Hiobsbotschaft, gegen die man Berufung einlegte, spielte heute keinerlei Rolle. Die Fahrer Ried/Andlauer/Campbell fuhren für das Team einen Klassensieg in der LMGTE Am-Klasse ein. Lange Zeit sah es sogar noch einem Doppelerfolg für das Team aus, doch Jörg Bergmeister vom Team Project 1 (#56) zog in der finalen Runde an Matteo Cairoli im Porsche mit der Startnummer #88 vorbei.

Das nächste Rennen findet im März 2019 in Sebring statt.

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