1000 Meilen von Sebring: Alonso, Buemi und Nakajima bauen Tabellenführung aus

1000 Meilen von Sebring 2019, Toyota Gazoo Racing, Toyota TS050 - Hybrid #8 © Toyota Motorsport GmbH

Die FIA World Endurance Championship kehrte am Freitagabend mitteleuropäischer Zeit zum Austragungsort des ersten WEC-Rennens im Jahr 2012 zurück – dem alten Militärflughafen in Sebring, Florida. Für Langstreckenfans war es ein ganz besonderes Wochenende, denn auch die IMSA Weathertech SportsCar Championship bestritt am Wochenende die „12 Stunden von Sebring“. Die Teams der FIA WEC fuhren derweil die „1000 Meilen von Sebring“ – welches entweder nach 1000 Meilen oder acht Stunden zu Ende sein sollte. Letzteres war der Fall – statt 268 Runden (1000 Meilen), wurden nur 253 Runden (946 Meilen) gefahren. Grund dafür waren zwei Full-Course-Yellow-Phasen (FCY) aufgrund von Unfällen sowie ein heftiger Regenschauer zum Schluss, wodurch das Rennen unter Gelb beendet wurde.

Den Sieg konnte das Toyota-Trio Alonso/Nakajima/Buemi (#8) verbuchen, gefolgt vom Schwesterfahrzeug (#7, Conway/Kobayashi/Lopez). Die beiden Toyota TS050 – Hybrid pflügten mit meist nur wenigen Sekunden Distanz durch das Fahrzeugfeld, entscheidend war am Ende ein Überholmanöver von Jose Maria Lopez. Der Argentinier kollidierte mit dem Aston Martin Vantage GTE von TF Sport und verlor beim Reparaturstopp in der Box zwei Runden, wovon eine im Regen wieder aufgeholt werden konnte. Dazu beigetragen hat zudem ein Dreher von Sebastien Buemi.

„Es ist ein glücklicher Tag für uns. Wir kamen hierher und haben viel getestet und uns auf diese sehr schwierige Strecke vorbereitet. Wir gingen zuversichtlich ins Rennwochenende, erwarteten ein starkes Rennen zu fahren, insbesondere von der Pole Position aus. Von der Spitze des Rennens aus haben wir versucht, das Risiko zu managen. Der Regen war umso stressiger, aber Kazuki hat unter schwierigen Bedingungen einen fantastischen Job gemacht, um an diesem historischen Austragungsort für Langstreckenrennen einen weiteren Sieg zu holen“, sagte Fernando Alonso nach dem Rennen.

Die schnellste Rundenzeit ging derweil an Kamui Kobayashi im zweitplatzierten Toyota. Mit 1:41.800 Minuten unterbot er den bestehenden Rundenrekord von André Lotterer aus dem Jahr 2012 (Audi R18 TDI, 1:46.567 Min.) deutlich.

Der dritte Platz geht an Aleshin/Petrov/Hartley im #11er BR1 von SMP Racing. Zehn Runden Rückstand auf den hybridisierten Sieger zeigen erneut das Kräfteverhältnis zwischen Werksteam und Privatiers auf. Für Brendon Hartley war es jedoch ein gelungenes WEC-Comeback. Lange Zeit sah es nach einem Podestplatz für das Rebellion-Trio Berthon/Laurent/Menezes aus, eine Stunde vor Schluss musste man jedoch die Box ansteuern, in der die Karosserie repariert wurde. Der außerplanmäßige Boxenstopp kostete mehrere Runden und den sicher geglaubten Podestplatz. Der zweite Rebellion R13 (#1, Jani/Beche/Senna) hatte massive Getriebprobleme und wurde später zurückgezogen. Der zweite Wagen SMP Racing wurde von Orudzhev in Kurve 1 in die Reifenstapel gestopft. Der Crash hatte eine Full-Course-Yellow- sowie Safety-Car-Phase zur Folge. Der baugleiche BR1 von DragonSpeed (#10, Hedman/Hanley/van der Zande) schied aufgrund eines Elektronikdefektes aus.

Jackie Chan DC Racing: Tabellenführer patzen, Sieg für Schwesterauto

Der Sieg in der LMP2-Klasse ging an das Team Jackie Chan DC Racing – genauer gesagt an die Startnummer #37 von David Heinemeier Hansson, Jordan King und Will Stevens. Das Trio lag große Teile des Rennens an der Spitze, auch eine verhängte 5-Sekunden-Strafe aufgrund einer zu späten Geschwindigkeitsreduzierung während einer FCY-Phase und Probleme mit der Fahrertür (Zeitverlust ca. vier Minuten) konnte das nun in der LMP2-Teammeisterschaft in Führung liegende Team nicht stoppen. Zweiter wurde das Team Signatech Alpine Matmut (#36, Lapierre/Negrao/Thiriet, + 27,421 Sek.), gefolgt von DragonSpeed (#31, Gonzalez/Maldonado/Davidson, + 2 Runden).

Einen guten vierten Platz für TDS Racing macht der Ausrutscher von Loic Duval 13 Minuten vor Schluss zunichte. Der Crash auf regennasser Strecke löste die finale FCY-Phase aus, das Team wurde durch den Abflug des Franzosen nicht klassifiziert. Das Racing Team Nederland musste aufgrund eines Geschwindigkeitsverstoßes beim Qualifying vom Ende des Feldes starten, arbeitete sich jedoch Stück für Stück nach vorne und konnte einige Führungsrunden verbuchen. Letzter wurde man nur Fünfter (- 9 Runden), hinter dem Ligier JSP217 von Larbre Competition (- 5 Runden).

Die angereisten Tabellenführer Tung/Aubry/Richelmi von Jackie Chan DC Racing (#38) erlebten hingegen einen schwarzen Tag. Aufgrund von Elektronikproblem hatte man zum Schluss einen Rückstand von 30 Runden und wurde Letzter in der Klasse. In der Meisterschaft ist man jetzt nur noch Dritter.

Erster Saisonsieg für Porsche-Duo Lietz/Bruni

Die LMGTE Pro-Klasse bot erneut die meiste Spannung und war am härtesten umkämpft. Nach spannenden acht Stunden Renndistanz sicherten sich Richard Lietz und Gianmaria Bruni im Porsche 911 RSR mit der Startnummer#91 (Porsche GT Team) den ersten Saisonsieg. Das Duo kam vor dem Trio Tomczyk/Catsburg/Sims im BMW M8 GTE vom BMW Team MTEK ins Ziel (+ 0,816 Sek.), gefolgt vom #67er Ford GT von Priaulx/Tincknell/Bomarito (+ 1 Runde).

Die Siegchancen für die beiden Pole-Setter Christensen/Estre vom Porsche GT Team (#92) machte Kevin Estre nach zur Halbzeit zunichte, als der Franzose im Kampf um den zweiten Platz den Aston Martin von Sörensen/Thiim/Turner (#95) umdrehte und dafür eine Stop&Go-Strafe bekam. In solch einer umkämpften Klasse eine KO-Kriterium, letztlich wurde man noch Fünfter – hinter dem Ferrario 488 GTE von Pier Guidi/Calado/Serra (#51). Es folgen die beiden zweiten Fahrzeuge von AF Corse (#71) und dem BMW Team MTEK (#82) sowie Gaststarter Corvette Racing. Die beiden Aston Martin Vantage V8 werden nur Neunter und Zehnter. Mit zehn Runden Rückstand kamen Mücke/Pla/Johnson (#66, Ford Chip Ganassi Team UK) ins Ziel, dem Trio machte eine defekte Lichtmaschine einen Strich durch die Rechnung.

Team Project 1 verteidigt Tabellenführung

In der LMGTE Am-Klasse gewann das von der Pole Position startende Team Dempsey – Proton Racing (#77) von Christian Ried, Julien Andlauer und Matt Campbell vor Spirit of Race (#54, Flohr/Castellacci/Fisichella, + 12,538 Sek.) und Team Project 1 (#56, Bergmeister/Lindsey/Perfetti, + 20,084 Sek.). Das Team Project 1 legte nach dem Fahrzeugbrand beim Sebring-Test, dem Aufbau eines neuen Chassis, welches kurzfristig aus Deutschland eingeflogen wurde, eine bärenstarke Leistung hin. Zeitweise war man auf Siegkurs, eine Kollision zwischen Jörg Bergmeister  mit Giancarlo dem Spirit-of-Race-Ferrari im Kampf um die Führung, bedeutete jedoch einen herben Rückschlag. Das Team Spirit of Race bekam dafür eine Stop&Go-Strafe aufgebrummt. Obwohl man nur Dritter wurde, konnte das Team aus dem niedersächsischen Lohne die Führung in der LMGTE Am Fahrer- und Teamwertung verteidigen. Der Vorsprung auf den Zweitplatzierten (Spirit of Race) liegt bei 25 Punkten. Ein Ergebnis, mit dem nach dem Fahrzeugbrand wohl keiner gerechnet hat!

Mit nur 0,067 Sekunden Abstand auf das Podium platzierte sich Gulf Racing auf dem vierten Platz. Danach folgten MR Racing (+1 Runde), TF Sport (+1 Runde), die Startnummer #88 von Dempsey – Proton Racing (+ 2 Runden) und Aston Martin Racing (+ 2 Runden). Clearwater Racing zog seinen Ferrari 488 GTE für das Rennen zurück, der Wagen war nach dem Crash im Qualifying zu stark beschädigt.

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