Wetterchaos in Spa: Sieg beschert Toyota Weltmeistertitel, Porsche gewinnt GT-Herstellertitel

FIA WEC, 6 Stunden von Spa-Francorchamps 2019, Toyota Gazoo Racing, TS050 - Hybrid #8 © Toyota Gazoo Racing

Schnee, Regen, Graupel und Hagel – die im Vorfeld erwartete Schlechtwetterfront schlug beim 6-Stunden-Rennen der FIA WEC in Spa-Francorchamps mit voller Wucht zu. Zwischendurch gab es jedoch auch lange sonnige Abschnitte – der Wettergott spielte verrückt und dementsprechend ereignisreich war das Rennen, welches rund elf Minuten vor Schluss aufgrund starken Schneefalls abgebrochen wurde. Dennoch war größtenteils ein geordneter Rennablauf möglich, da es insgesamt weniger Niederschlag gab als erwartet.

Das Rennen begann trocken, doch bereits nach wenigen Minuten setzte starker Hagel- und später Schneefall ein, was zu der ersten Safety-Car-Phase führte und die Teams die Boxengasse ansteuern ließ um auf Regenreifen zu wechseln.  Als nach einer Stunde die allgemeine Klassenreihenfolge allmählich wiederhergestellt war, schoss der Jackie-Chan-Oreca von Heinemeier Hansson/King/Stevens (#37) den ENSO CLM P1/01 vom ByKolles Racing Team (Dillmann/Webb/Ruberti) ab und drückte den LMP1-Prototypen in die Reifenstapel von La Source. Tom Dillmann rettete den Wagen – mit der halben Werbebande im Heck – in die Box, wo eine längere Reparaturpause anstand. Der Vorfall sorgte für eine zweite Safety-Car-Phase. In dieser machten die Ingenieure des Toyota’s von Buemi/Alonso/Nakajima einen Strategiefehler, als sie bei abtrocknender Strecke nicht auf Slicks wechseln ließen. Der Fehler machte einen weiteren Stopp erforderlich und führte zu einem Abstand von rund 50 Sekunden auf das Schwesterfahrzeug. Das Fahrzeug von Conway/Kobayashi/Lopez lag somit klar auf Siegkurs. Kurz vor Rennhälfte musste der TS050 allerdings aufgrund eines Sensorproblems im Bereich der Energierückgewinnung bzw. der elektronischen Bremse die Box ansteuern. Die Folge war ein Rückstand von vier Runden auf das nun wieder in Führung liegende Schwesterfahrzeug mit der Startnummer #8, dessen Sieg auch durch eine weitere Safety-Car-Phase aufgrund von Schneefall rund 100 Minuten vor Schluss nicht mehr gefährdet war.

Durch die gewonnenen Meisterschaftspunkte, ist Toyota bereits vor dem 24-Stunden-Rennen in Le Mans Teamweltmeister. Auch die zukünftigen Fahrerweltmeister werden aus dem Hause Toyota kommen – die Frage ist nur welche Fahrercrew den Titel gewinnen wird. Aktuell liegen Alonso/Buemi/Nakajima 31 Punkte vor den Teamkollegen Conway/Kobayashi/Lopez.

Auf Seiten der Privatiers wurde Toyota kein Team gefährlich, wie bereits in der gesamten Saison war die Frage wer „best of the rest“ werden wird. Spannung bot vor allem der Kampf zwischen dem Rebellion R13 mit der Startnummer #3 (Laurent/Berthon/Menezes) und BR1 #11 (Petrov/Aleshin/Vandoorne) von SMP Racing. Rebellion hatte beim Rennabbruch die Nase vorne, der zweite Platz (+ 1 Runde) geht somit an den in der Meisterschaft auf dem dritten Platz liegenden Thomas Laurent sowie Gustavo Menezes und Nathanael Berthon. Dritter wurden Petrov/Aleshin/Vandoorne (+ 1 Runde). Pech hatten Sarrazin/Orudschev/Sirotkin im zweiten BR1 von SMP Racing, als sich ein Rad löste – letztlich wurde man Vierter (+ 2 Runden) . Fünfter wurde der zweite R13 von Rebellion Racing (+ 3 Runden), Sechster der weit zurückgefallene Toyota TS050 von Conway/Kobayashi/Lopez (+ 4 Runden). Mit 38 Runden Rückstand wurde das ByKolles Racing Team gewertet.

In der LMP2-Klasse sah es lange Zeit nach einem Klassensieg für Signatech Alpine aus, doch führten die mehrmaligen Neutralisierungen des Feldes zu einem Verlust des Zeitvorteils gegenüber der Konkurrenz. Diesen Umstand nutzte der ehemalige Formel-1-Fahrer Pastor Maldonado im Oreca 07 von DragonSpeed aus und übernahm dank einer starken Leitung im Regen die Führung, die bis zum Schluss verteidigt wurde. Für DragonSpeed (Gonzalez/Maldonado/Davidson) ist es der erste LMP2-Klassensieg in dieser Saison. Auch Gaststarter G-Drive Racing zog am Ende noch an Signatech Alpine vorbei, die nur Dritter wurden.

In der LMGTE Pro-Klasse konnte Aston Martin Racing den zweiten Saisonsieg einfahren (#97, Lynn/Martin). Zu verdanken war es vor allem dem Belgier Maxime Martin, der auf seiner Heimstrecke bei schlechten Bedingungen glänzte. Gute Chancen auf den Sieg hatten auch Ferrari und BMW. Ferrari konnte die gute Performance in einen zweiten Platz ummünzen (#51, Pier Guidi/Calado), BMW hatte Pech mit den Safety-Car-Phasen und letztlich nur Vierter und Neunter. Die beiden Porsche 911 RSR beendeten das Rennen auf dem dritten (#92, Christensen/Estre) und vierten Platz (#91, Lietz/Bruni), jedoch wurde dem Duo Lietz/Bruni eine nachträgliche Strafe von 17 Sekunden aufgebrummt, da man den Ferrari von Spirit of Race drehte. Trotz der Strafe konnte sich Porsche bereits ein Rennen vor Schluss den Titel in der Herstellerwertung sichern. Ford konnte im Trockenen mithalten, verlor bei Regen jedoch an Boden – fünfter (#67, Priaulx/Tincknell) und zehnter Platz (#66, Pla/Mücke).

In der LMGTE Am-Klasse geht der Sieg an Dempsey-Proton (#77, Campbell/Ried/Pera) vor dem Aston Marting Vantage GTE von TF Sport (#90, Yoluc/Hankey/Eastwood) sowie dem Ferrari 488 GTE von Clearwater Racing (#61, Perez Companc/Cressoni/Griffin). Tabellenführer Project 1 fiel 70 Minuten vor Schluss auf den fünften Platz zurück, als man einen Ferrari berührte und ins Kiesbett geschleudert wurde.

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